BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1926
November 1926

Sonntag, den 7. November 1926


4. Mose 22,36 - 23,1; Psalm 7,9-13

König Balak empfängt den berühmten Wahrsager mit großen Ehren; bis an die Grenze seines Reiches kommt er ihm entgegen. Doch kann er nicht umhin, ihm einen Vorwurf darüber zu machen, daß es erst so vieler Bemühungen bedurft hatte, ihn zum Kommen zu bewegen! „Vermag ich nicht, dich zu ehren?“ Welch ein Selbstbewußtsein spricht aus dieser Frage. Wahrlich, hier waren zwei Ehrsüchtige zusammengetroffen! (Vgl. Luk. 4,5.6.) Bileams Antwort verrät eine gewisse Befangenheit. Noch zu stark steht er unter den Eindrücken der Begegnung mit dem „Engel Jehovas“ und seiner Warnungen! „Siehe, ich bin ja zu dir gekommen. Aber vermag ich wohl irgend etwas zu reden außer dem, was Gott mir in den Mund legt? Das werde ich reden!“ Mit dieser Antwort sucht er von vornherein die Erwartungen des Königs etwas herabzustimmen. Denn Balak folgerte aus seinem Kommen selbstverständlich seine völlige Bereitwilligkeit, dem Volke Israel zu fluchen! - Ach, wie viele Windungen und Wendungen in Gebaren und Reden muß doch ein Mensch machen, der nicht gerade und wahrhaftig seinen Weg mit Gott geht! „Vielgewunden ist der Weg des schuldbeladenen Mannes; der Lautere aber, sein Tun ist gerade!“ (Lies Pred. 7,29.) - So zieht Bileam denn mit dem Könige nach Kirjath-Chuzot. Hier opfert Balak am Vorabend des großen Tages, an welchem Bileam seine Bann- und Zaubermacht entfalten sollte, Rind- und Kleinvieh und bereitet ihm und den Fürsten zum Empfang ein Opfermahl; er will den weithergekommenen Wahrsager ehren. Die Opfer galten natürlich dem Gelingen des beabsichtigten Unternehmens, d. h. der Verwünschung des Volkes Israel!

Ohne Zweifel wurden dieselben nicht den moabitischen Götzen dargebracht, von welchen Balak ja keine Hilfe erwartete, sondern Jehova, welchen der König auf diese Weise seinem Volke Israel abgeneigt - sich selbst und seinem Volke geneigt machen wollte! Denn Balak bewegte sich natürlich in heidnischen Anschauungen, nach welchen die Götter wie die Menschen Launen und Stimmungen unterworfen sind, daher auch beeinflußt und umgestimmt werden können zugunsten des einen - zu Ungunsten des anderen! (Vgl. 1. Kön. 18,25-29.) - Am anderen Morgen wird Bileam vom König und all seinen Fürsten - denn ganz Moabs Geschick stand ja auf dem Spiel! - auf die „Baalshöhe“ geführt, einen altberühmten Opferplatz, von wo aus man in der Ferne einen Teil des Zeltlagers Israels erblicken konnte. Mit der feierlichen Miene und Geheimtuerei des gefürchteten Bannsprechers weist Bileam hier den König an, die Vorbereitungen zu treffen. In Eile werden auf sein Geheiß sieben Altäre nach Art der altisraelitischen Feldaltäre, wie die Patriarchen sie hatten [vgl. 1. Mos. 12,8; 13,18; 33,20], hergerichtet - sieben Farren und sieben Widder bereitgestellt. Die alten Völker leiteten ja alle wichtigen Unternehmungen mit Opfern ein, um sich des Schutzes und Beistandes der Gottheit zu versichern. Insbesondere wurden natürlich Beschwörungen mit Opfern eingeleitet! Bileam tat also alles, was zum Gelingen des Unternehmens nach religiöser Sitte nötig war! Die Siebenzahl der Altäre erklärt sich aus der Heiligkeit dieser Zahl bei allen Völkern; auch mochte Bileam sie den israelitischen Gebräuchen abgelauscht haben! Denn selbstverständlich wurden die Opfer hier Jehova, dem Gott Israels, dargebracht, wenn uns auch in der ganzen Opferhandlung eine für Bileams religiösen Standpunkt sehr bezeichnende Mischung von israelitischen und heidnischen religiösen Vorstellungen und Gebräuchen entgegentritt!

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