BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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Startseite -- Bücher AT -- 2. Mose -- 399 (Mose tritt erneut ein für das Volk und der HERR vergibt ihnen vorläufig)
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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
F. Das goldene Kalb und Moses Umgang mit Gott (2. Mose 32-34)

5. Mose tritt erneut ein für das Volk und der HERR vergibt ihnen vorläufig (2. Mose 32,30-35)


2. Mose 32,30-32

30 Des Morgens sprach Mose zum Volk: Ihr habt eine große Sünde getan; nun will ich hinaufsteigen zu dem HERRN, ob ich vielleicht eure Sünde versöhnen möge. 31 Als nun Mose wieder zum HERRN kam, sprach er: Ach, das Volk hat eine große Sünde getan, und sie haben sich goldene Götter gemacht. 32 Nun vergib ihnen ihre Sünde; wo nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast

Mit dem innersten Herzen hatte Mose stets den Unterweisungen gelauscht, die Gott ihm über Schuld und Sühne gegeben hatte. Wie nie zuvor war ihm die dringende Notwendigkeit klar, daß die Sünde des Volkes durch die stellvertretende Hingabe eines Opfers getilgt werden müsse. Wie nie zuvor begriff er, warum Gott ihnen schon in Ägypten das Lamm gegeben hatte, dessen Blut allein Israel vor dem Würgengel schützte. [Lies 2. Mos. 12,3. 7. 13.]

2. Mose 12,3.7.13 -- 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am zehnten Tage dieses Monats nehme ein jeglicher ein Lamm, wo ein Hausvater ist, je ein Lamm zu einem Haus. ... 7 Und sollt von seinem Blut nehmen und beide Pfosten der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, darin sie es essen ... 13 Und das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, darin ihr seid, daß, wenn ich das Blut sehe, an euch vorübergehe und euch nicht die Plage widerfahre, die euch verderbe, wenn ich Ägyptenland schlage.

Ja, Mose erkannte klarer als irgend jemand die Schrecklichkeit der Sünde und die Notwendigkeit des Versöhnungsopfers von Standpunkt Gottes aus! Und bei der furchtbaren Schuld, die Israel jetzt auf sich geladen hatte, war sein Herz so tief erschüttert und bewegt, daß ihm der Gedanke kam, ob Gott nicht ihn - ihn selbst - als Versöhnungsopfer annehmen und auf solche Weise dem Volke vergeben wolle! - Jedenfalls war er entschlossen, sich ganz mit Israel und dessen Schuld in tiefer Beugung vor Gott eins zu machen. Lieber wollte er von Gott verbannt sein auf ewig - ausgelöscht aus Gottes Lebensbuch, als daß er und seine Familie zu Ruhm und Größe gelangte - das Volk aber um seiner Sünde willen dem Gericht und Verderben anheim gefallen wäre. Welch eine Liebe! [Lies Röm. 9,1-5.]

Römer 9,1-5 -- 1 Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir Zeugnis gibt mein Gewissen in dem Heiligen Geist, 2 daß ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlaß in meinem Herzen habe. 3 Ich habe gewünscht, verbannt zu sein von Christo für meine Brüder, die meine Gefreundeten sind nach dem Fleisch; 4 die da sind von Israel, welchen gehört die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen; 5 welcher auch sind die Väter, und aus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.

Wenig ahnte Mose ja, daß er durch diese Gesinnungstat den Sohn Gottes, den Herrn der Herrlichkeit, so klar vorbildete, welcher Mensch wurde, um Sich mit den gefallenen Sündern zusammenzuschließen und ihr Erlöser, der Anführer ihrer Rettung, der Herzog ihrer Seligkeit zu werden: „Der, welcher Sünde nicht kannte, ließ Sich an unserer Stelle zur Sünde machen, damit wir in Ihm die Darstellung und der klare Erweis - nicht nur der wunderbaren Gnade, sondern auch der Gerechtigkeit Gottes würden?“ (Lies 2. Kor, 5, 14-21)

2. Korinther 5,14-21 -- 14 Denn die Liebe Christi dringt in uns also, sintemal wir halten, daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; 15 und er ist darum für alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 16 Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; und ob wir auch Christum gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. 17 Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! 18 Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnt hat durch Jesum Christum und das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott. 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

„Lösche mich doch aus aus Deinem Buche!“ Diese Worte des Mose sind das Zeugnis einer so völligen Selbsthingabe, daß sie nur denen verständlich sein werden, die viel von dem Geist und der Gesinnung Christi in sich tragen. Nur solche werden die Bedeutung solcher Worte verstehen, die in die Seelenleiden des Herrn Jesu für Seine Gemeinde eingegangen sind. So sagt der Apostel Paulus: „Ich freue mich in den Leiden. die ich um euretwillen erdulde und trage das ab, was noch fehlt an den Leiden Christi für Seinen Leib - für die Gemeinde! Ich bin ja ihr Diener geworden entsprechend dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat!“ [Kol. 1,24. 25.] - So wollen auch die Gereiften unter uns lernen, gleich unserem Herrn Jesus allezeit in den Tod gegeben zu werden für ihre Mitgeschwister - allezeit das Sterben Jesu am Leibe umherzutragen. damit auch das Leben Jesu an ihrem sterblichen Leibe offenbar werde!“ - Nicht, als meinten wir, Seinem vollbrachten Erlösungswerke etwas hinzufügen zu müssen oder zu können! Aber wir erfüllen das Gesetz, das Christum leitete (Gal. 6.2)

Galater 6.2 -- Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

das kostbare Gebot der freiwilligen Selbsthingabe für andere: „Darum liebt Mich der Vater, weil Ich Mein Leben lasse, um es wieder zu nehmen. Niemand nimmt es von Mir, sondern Ich gebe es ganz freiwillig hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und habe Macht es wiederzunehmen. Dieses Gebot habe Ich empfangen von Meinem Vater.“ [Lies 1. Petr. 1,22. 23; 3,8. 9.]

1. Petrus 1,22.23 -- 22 Und machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist zu ungefärbter Bruderliebe und habt euch untereinander inbrünstig lieb aus reinem Herzen, 23 als die da wiedergeboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewig bleibt. / 1. Petrus 3,8.9 -- 8 Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. 9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen erbet.

Wir sehen hier bei Mose ein Maß von Selbsthingabe, das im allgemeinen unerreicht dasteht - es sei denn, wir hören des gekreuzigten Heilandes Flehen für Israel: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Des Herrn Jesu Hingabe überragte die des Mose noch um ein Unendliches!

(Montag, 13. Mai 1935)

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