BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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Startseite -- Bücher AT -- 2. Mose -- 398 (Mose tritt erneut ein für das Volk und der HERR vergibt ihnen vorläufig)
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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
F. Das goldene Kalb und Moses Umgang mit Gott (2. Mose 32-34)

5. Mose tritt erneut ein für das Volk und der HERR vergibt ihnen vorläufig (2. Mose 32,30-35)


2. Mose 32,30-32

30 Des Morgens sprach Mose zum Volk: Ihr habt eine große Sünde getan; nun will ich hinaufsteigen zu dem HERRN, ob ich vielleicht eure Sünde versöhnen möge. 31 Als nun Mose wieder zum HERRN kam, sprach er: Ach, das Volk hat eine große Sünde getan, und sie haben sich goldene Götter gemacht. 32 Nun vergib ihnen ihre Sünde; wo nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast

Wie mag es Mose in jener Nacht zumute gewesen sein, während er über die Ereignisse des vergangenen Tages nachsann? - Er, der alle Glieder Israels so heilig und innig liebte, weil es Gottes Volk war, er rang und kämpfte im Gebet, bis das tiefe Erbarmen mit dem sündigen Volke einen Entschluß von größter Tragweite in ihm reifte. - Am nächsten Morgen trat Mose unter das Volk: „Ihr habt eine große Schuld begangen, aber ich will noch einmal hinaufsteigen auf den Berg zum Herrn.“ - Mose verkleinert nicht die Sünde des Volkes, er entschuldigt sie auch nicht. Nein, er haßt die Sünde; aber er liebt das arme, betrogene Volk, welches gesündigt hat, und ist bereit, für dasselbe in den Riß zu treten. - In einer späteren Zeit mußte Gott durch den Propheten, sprechen: „Ich suchte einen Mann unter ihnen, der die Mauer zumauern und vor Mir in den Riß träte für das Land, daß Ich es nicht verderbte; aber Ich fand keinen!“ [Hes. 22,30.] - Doch an diesem dunklen Tage des Goldenen Kalbes fand Gott in Mose den Mann, der in den Riß trat! Zum zweitenmal will er hinaufsteigen zum Herrn: „Vielleicht kann ich Sühnung tun für eure Sünde!“ - Welche Liebe, welche Opferbereitschaft! - Schritt für Schritt steigt Mose den Berg hinan, bis er von neuem vor Gott erscheint: „Ach, Herr, dies Volk hat eine große Sünde begangen! Sie haben sich einen Gott von Gold gemacht! Und nun - wenn Du doch ihre Sünde vergeben wolltest! ... Wenn aber nicht, so lösche mich doch aus Deinem Buche!“ - Mose ist freudig bereit, das Opfer zu sein an Stelle des sündigen Volkes. - O daß wir Kinder Gottes doch wirklich etwas kennen möchten von dieser sich selbst aufopfernden Liebe, die nichts für sich selbst will und sucht - die so langmütig, so gütig ist, die sich nicht erbittern läßt - die anderen das Böse nicht anrechnet, sondern viel lieber die Schuld und die Strafe auf sich nimmt! - Glückselig das Leben der aufopfernden und aufgeopferten Liebe! (Lies 1. Kor. 13,1-13.)

1. Korinther 13,1-13 -- 1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, 5 sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; 7 sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich's stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Mose ist hier ein herrliches Vorbild auf Christum, den großen Mittler zwischen Gott und den Menschen. [Lies Hebr. 3,1-6.]

Hebräer 3,1-6 -- 1 Derhalben, ihr heiligen Brüder, die ihr mit berufen seid durch die himmlische Berufung, nehmet wahr des Apostels und Hohenpriesters, den wir bekennen, Christus Jesus, 2 der da treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Mose in seinem ganzen Hause. 3 Dieser aber ist größerer Ehre wert denn Mose, soviel größere Ehre denn das Haus der hat, der es bereitete. 4 Denn ein jeglich Haus wird von jemand bereitet; der aber alles bereitet hat, das ist Gott. 5 Und Mose war zwar treu in seinem ganzen Hause als ein Knecht, zum Zeugnis des, das gesagt sollte werden, 6 Christus aber als ein Sohn über sein Haus; des Haus sind wir, so wir anders das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung bis ans Ende fest behalten.

Aber wieviel größer und herrlicher noch als Mose ist Christus! Er ging nicht mit einem „Vielleicht“ hinauf in den Himmel zu Gott, sondern mit den Worten: „Es ist vollbracht!“ „Mit Seinem eigenen Blut ist Er ein für allemal ins Heiligtum eingegangen, als Er eine ewige Erlösung erfunden und vollbracht hatte.“ [Lies Hebr. 9,11-15. 24-28.]

Hebräer 9,11-15.24-28 -- 11 Christus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, und ist durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht, das ist, die nicht von dieser Schöpfung ist, 12 auch nicht der Böcke oder Kälber Blut, sondern sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. 13 Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt, heiligt die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, 14 wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! 15 Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. ... 24 Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns; 25 auch nicht, daß er sich oftmals opfere, gleichwie der Hohepriester geht alle Jahre in das Heilige mit fremden Blut; 26 sonst hätte er oft müssen leiden von Anfang der Welt her. Nun aber, am Ende der Welt, ist er einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben. 27 Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht: 28 also ist auch Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden; zum andernmal wird er ohne Sünde erscheinen denen, die auf ihn warten, zur Seligkeit.

Mose macht sich eins mit der großen Sünde seines Volkes und will Sühnung dafür tun; er erfleht und erlangt von Gott die Vergebung für Israel. Mit kühnem Glaubensmut nimmt er Gott beim Wort und spricht: „Gedenke, Herr, ... Du hast doch geschworen ...!“ Wahrlich, das ist die Sprache des Freundes, der bei tiefster Ehrerbietung seinem Freunde (Gott!) auch ernste und eindringliche Vorstellungen machen darf! - Gott hatte Mose angeboten: „Ich will dich zu einem großen Volke machen!“ Aber Mose wollte nicht für sich Größe und Ruhm auf Kosten des Volkes! O nein, ihm lag alles daran, daß Gottes herrliche Pläne mit dem Volke zur Vollendung kamen - daß Israel in das Land seiner Bestimmung komme und daß es in Zeit und Ewigkeit seinem Gott zum Ruhm und zum Schmuck sei! - Er hatte so viel für das Volk gebetet und gelitten, daß er keinen sehnlicheren Wunsch kannte, als daß Israel zu seinem Erbteil gelange und daß Gott dadurch verherrlicht werde. - Man kann nicht wirklich ernstlich für andere beten, ohne daß das tiefe Verlangen in der Seele erwacht, sich ganz für sie aufzuopfern!

(Sonntag, 12. Mai 1935)

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