BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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1. THESSALONICHER

1. Thessalonicher 5,14.15

14 Wir ermahnen aber euch, liebe Brüder, vermahnet die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. 15 Sehet zu, daß keiner Böses mit Bösem jemand vergelte; sondern allezeit jaget dem Guten nach, untereinander und gegen jedermann.

Diese Ermahnungen beziehen sich auf das Verhalten der Gläubigen gegeneinander und auf ihr Betragen gegenüber denen, welche draußen sind, d. h. den Ungeretteten. Es gab unter den Gläubigen zu Thessalonich noch Unordentliche, Kleinmütige, Schwache. Etliche standen auch durch die Gewalt ihres natürlichen Temperaments in Gefahr, Böses mit Bösem zu vergelten. Da war unter Brüdern und Schwestern hier Zurechtweisung, dort Tröstung, hier Geduld, dort Warnung nötig. Jeder einzelne trug ein Stück der Verantwortung, daß Gott inmitten der Heiden durch den Wandel, die Worte und das Wesen der Gläubigen verherrlicht werde. Sie standen da als die Familie Gottes, deren Wesen und Wert die Welt im praktischen Leben erkennen soll. Das Wort Gottes ist der Spiegel, welcher mir die Gestalt, die Mängel, die Flecken meines Christentums zeigt. (Vgl. Jak. 1,22-25.)

Jakobus 1,22-25 -- 22 Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrügt. 23 Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Täter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschaut. 24 Denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergißt von Stund an, wie er gestaltet war. 25 Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin beharrt und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seiner Tat.

Bin ich unordentlich oder unpünktlich in meiner Arbeit, in meinen Geldangelegenheiten? Unordentliche Christen setzen die Ehre Gottes herab; Kleinmütige, die da seufzen und klagen, verdunkeln die Herrlichkeit und die Tröstungen des Glaubens; Rachsüchtige verleugnen die Erbarmungen Gottes, die ihnen zuteil wurden - ist es nicht heute ebenso? Mit einem Christentum der Theorie ist nichts gewonnen, es bildet den Übergang zur Heuchelei. Laßt uns dem Guten nachstreben allezeit, sowohl gegeneinander als gegen alle Menschen!

(Donnerstag 28. Februar 1918)

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