BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1935
Juni 1935

Dienstag, den 11. Juni 1935


2. Mose 34,10

Mose erreicht bei dem Herrn eine volle und ganze Erfüllung seines Begehrens für Israel. Gott sagt ihm die volle Wiederherstellung des Bundesverhältnisses zu und nimmt das Volk als Sein Eigentumsvolk wieder an. Doch steht bei diesem Bund Mose als Mittler im Vordergrund, was bei dem ursprünglichen Bund von Sinai nicht der Fall gewesen war. Gott sagt hier zu Mose: „Dein Volk!“ (Vgl. dagegen Kap. 24,3-8.) - Wunder will Gott vor Israel und für dasselbe tun, wie sie auf der ganzen Erde und unter allen übrigen Völkern nie geschehen sind. Ganz Israel soll die großen Machttaten des Herrn schauen. Dieselben geschehen in erster Linie für Mose und durch ihn! Aber da er sich unlöslich mit Israel verbunden hat, so kommen sie dem ganzen Volke zugut. „Furchtbar“ sind diese Taten, d. h. sie sind so gewaltig, daß alle, die Sie wahrnehmen, in heilige Ehrfurcht - die Feinde Gottes in Schrecken und Furcht versetzt werden: „Wer ist Dir gleich unter den Göttern, o Herr - wer ist Dir gleich, herrlich in Heiligkeit, furchtbar an Ruhm, wundertuend?“ [2. Mos. 15,11; lies auch 5. Mos. 4,31-40.] - Wenn Mose am Schluß seines Lebens zu dem Volke redet von diesem seinem zweiten Hinaufgehen auf den Berg, so sagt er uns, daß ihm erst nach vierzigtägigem, unablässigem Ringen Erhörung zuteil wurde: „Ich warf mich nieder vor dem Herrn wie zuerst, vierzig Tage und vierzig Nächte - Brot aß ich nicht und Wasser trank ich nicht! - um all eurer Sünden willen, die ihr begangen hattet! Ihr tatet ja, was übel war in den Augen des Herrn, und was Ihn reizte. Mir war wirklich bange vor dem Zorn und dem Grimm, mit welchem der Herr über euch ergrimmt war; Er wollte euch vertilgen! Doch auf mein Flehen erhörte der Herr mich auch diesmal!“ [5. Mos. 9,18. 19.] - Wenn wir diesen Bericht anschauen, so scheint es, daß nicht so schnell, wie wir nach 2. Mos. 34,9. 10 meinen, dem Mose die Erhörung und Begnadigung für Israel geschenkt wurde. Was hier so kurz zusammengefaßt ist, scheint sich über diese vierzig Tage und Nachte erstreckt zu haben: „Ich warf mich vor dem Herrn nieder die vierzig Tage und die vierzig Nächte, die ich mich niederwarf. Denn der Herr hatte gesagt, daß Er euch vertilgen wollte. Und ich betete zu dem Herrn und sprach: „Herr, Jehova! Verdirb nicht Dein Volk und Dein Erbteil, das Du durch Deine Größe erlöst, das Du mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt hast! - Gedenke Deiner Knechte Abraham, Isaak und Jakob! Kehre Dich nicht an die Härtigkeit dieses Volkes, an seine Gesetzlosigkeit und seine Sünde, damit das Land, aus welchem Du uns herausgeführt hast, nicht sage: Weil der Herr nicht imstande war, sie in das Land zu bringen, das Er ihnen verheißen, und weil Er sie haßte - deshalb hat Er sie herausgeführt aus unserem Lande, damit sie in der Wüste sterben sollten! - Herr, sie sind ja Dein Volk und Dein Erbteil; Du hast sie herausgeführt mit Deiner großen Kraft und mit Deinem ausgestreckten Arm!“ (5. Mos. 9,25-29.) - Was wir hier aus 5. Mose 9 erfahren, ist eine kurze Zusammenfassung all des vielen Bittens und Flehens, das Mose durch vierzig Tage und Nächte hindurch dem Herrn geopfert hat für Israel. Welch eine Gebetsschule sind Bedrängnisse und Nöte für diejenigen Knechte und Mägde des Herrn, welchen die Ehre und Herrlichkeit Gottes im Vordergrund steht und welchen Er Seine innige, göttliche Liebe für Sein ganzes erlöstes Volk tief ins Herz pflanzen konnte!

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