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JAHRGANG 1934
August 1934

Sonnabend, den 4. August 1934


2. Mose 20,17

Das zehnte Gebot beginnt mit den Worten: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus!“ Luther sagt hierzu: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserem Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen, noch es mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienstlich sein!“ - Gott wollte eine Mauer der Bewahrung bauen um den Besitz und das Haus. Vor aller Welt ist im Gesetz Gottes das Recht des persönlichen Besitzes göttlich festgestellt gegenüber aller Antastung durch Neid und unrechte Begierde. Andererseits ist in diesem Verbot für alle Gottesfürchtigen jeder begehrliche Gedanke als Sünde gestempelt. Wie mächtig überführt Gott hier die Menschen von der Schlechtigkeit und Arglist ihres Herzens! Neid und Streitsucht sind teuflische Eigenschaften. Sie wirken zerrüttend und zerstörend im Herzen und Leben des einzelnen - in der Familie, im Hause Gottes und in der ganzen Welt. Aus Neid und Begehrlichkeit werden alle möglichen bösen Taten geboren! Denken wir nur an Ahab, der als König natürlich alles an Äckern und Gütern besaß, was man sich nur Wünschen konnte. Neben seinem Schloß in Samaria hatte ein schlichter, gottesfürchtiger Mann mit Namen Naboth einen Weinberg; den hätte der König gar zu gerne als einen Gemüsegarten gehabt. Er bot Naboth einen anderen schönen Weinberg oder eine hohe Bezahlung an. Naboth jedoch wollte das Erbe seiner Väter nicht verkaufen; denn das hätte er für ein großes Unrecht Gott gegenüber gehalten! (Lies 3. Mos. 25,23.) - Ganz mißmutig und zornig kam der König nach Hause, denn er war es in keiner Weise gewohnt, daß ihm ein Plan durchkreuzt wurde - ein Wunsch versagt blieb. Isebel, sein Weib, diese gottlose Zidonierin, wußte Rat: „Ich werde dir den Weinberg Naboths, des Jisreeliters, verschaffen!“ - Ein Fest wurde veranstaltet; zwei schlimme Männer wurden gedingt und Naboth gegenübergesetzt, die hernach von ihm aussagen mußten: „Naboth hat Gott und den König gelästert!“ - Auf die Aussage dieser zwei falschen Zeugen wurde wirklich Naboth gesteinigt. So konnte nun der König den gewünschten Weinberg in Besitz nehmen! Der Herr aber sandte den Propheten Elia zu ihm, welcher dem gottfernen König sagen mußte: „An der Stelle, wo die Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen die Hunde auch dein Blut lecken!“ [Lies 1. Kön. 21.]- Für die Kinder der Welt liegt in dieser Begebenheit eine starke Überführung von der Schlechtigkeit und Anglist des natürlichen Herzens. (Lies 1. Mos. 6,5; Spr. 6,16-19; Mark. 7,21-23.) - Liegt aber nicht vor allem für die gläubigen Christen in diesem Gebot eine Mahnung zur Wachsamkeit über ihre Gedanken und Begierden? Wie leicht kommt auch ein Kind Gottes dazu, neidische Gelüste nach irgendeinem kleinen oder größeren Besitz des Nächsten aufsteigen zu lassen im Herzen - dieselben unverurteilt vor Gott und straflos hingehen zu lassen! O wie oft vergessen wir, daß unser Gott alles sieht und alles hört und daß Er nichts Geringeres als Seine göttlich große Liebe und Selbstlosigkeit in unserem Herzen und Leben wirksam sehen will! -Alle auf den kleinen oder größeren Besitz des Nächsten begehrlich gerichteten Gedanken sind Sünde. Sie kommen hervor aus der Quelle einer irdischen Gesinnung und eines in der Liebe erkalteten Herzens. (Lies Jak. 3,13-18.) Jakobus spricht zu Gläubigen, die infolge ihrer Unwachsamkeit und Weltfreundschaft in eine ganz traurige innere Verfassung gekommen waren und ganz dem irdischen Sinn huldigen: „Woher kommen die Kämpfe und Streitigkeiten bei euch? Kommen sie nicht aus euren irdischen Gelüsten, die in euren Gliedern mit eurem besseren Ich im Streite liegen? Ihr seid begehrlich und gelangt doch nicht zum Besitz; ihr haßt und neidet einander bis auf den Tod, ohne doch eure Wünsche erfüllt zu sehen! Ihr lebt in offenem Kampf und Krieg und erlangt doch nichts, weil ihr nicht betet! Oder: Ihr betet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht betet: Ihr wollt ja die irdischen Güter, die ihr begehrt, in euren Lüsten wieder durchbringen! - Ihr Treulosen (eigentlich Ehebrecherinnen), die ihr den Bund mit Gott gebrochen habt, wißt ihr denn nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft ist gegen Gott?“

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