BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1934
Januar 1934

Freitag, den 19. Januar 1934


2. Mose 4,6-9

Ein zweites Zeichen wird Mose verliehen. Er steckt seine Hand in den Busen, und sie ist aussätzig wie Schnee. Er tut es ein zweites Mal, und sie ist von neuem völlig heil und rein. Der Aussatz ist ein der Schrift ein wohlbekanntes Bild von der Sünde in ihrer schrecklichen Wirkung. Niemand kann sie heilen als nur Gott: „Ihr wisset, das Christus geoffenbart worden ist, auf das Er unsere Sünde wegnehme!“ – Gerade da, wo die Sünde ausnehmend groß geworden ist, erweist sich die göttliche Gnade noch unendlich größer. (Lies Joh. 8,34-36; Röm. 5,20.) – Sollte Mose das Volk Israel leiten und regieren, so mußte er sich ganz klar sein über die Schrecklichkeit der Sünde vor Gott, aber auch über die von Sünde völlig reinigende und befreiende Macht der Gnade! – Viele Kinder Gottes haben noch keinen Begriff davon, welch furchtbare Macht und Schuld die Sünde ist – welch entsetzliche Not die Sünde bereitet. Ihr Herz und Gewissen ist darüber noch nie tief angefaßt worden vom Geiste Gottes. Deshalb wissen sie auch die Erlösung von Sünde und den hohen Preis, welchen Christus für sie bezahlt hat, nicht zu würdigen! – Sie können unmöglich Gott verherrlichen in ihrem praktischen Leben, werden auch nicht umgestaltet in das Bild Christi und ahnen kaum etwas von der hohen Aufgabe, die sie eigentlich in dieser Welt für Gott erfüllen sollten. Es fehlt ihnen das rettende Erbarmen für ihre Mitmenschen und die heilige Weihe für ihren Gott! – Wer dem Herrn dienen und Frucht bringen – ein Retter und Vorbild für andere sein will, muß tief innerlich betroffen und erschüttert sein über die Sünde und ihre Schrecklichkeit – über das Elend und die Schuld, welche die Sünde über die Menschen gebracht hat! Vor allem muß sein eigenes Herz und Leben tief von Sünde gereinigt und sein Wandel von der Furcht Gottes durchdrungen sein. – Durch diese zwei ihm verliehenen Zeichen wurde Mose das Vertrauen gestärkt. Sollten je seine Brüder das erste Zeichen nicht gelten lassen, so würden sie doch durch das zweite überzeugt werden und ihn als den von Gott gesandten Retter annehmen. Diese beiden Zeichen offenbarten ja die siegende Macht Gottes über Satan und Sünde! Glaubten die Israeliten diesen beiden Zeichen nicht, dann war ihnen allerdings nicht zu helfen. Es blieb ihnen dann nur Tod und Gericht übrig, gleichwie Tod und Gericht über Ägypten kommen mußten! – Hierauf wies das dritte Zeichen klar hin: Mose sollte vom Wasser des Nilstromes nehmen und es auf das trockene Land gießen, so würde es zu Blut werden. – Die Wasser des Nils sind ein Bild größter Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Der Nil überschwemmt zur bestimmten Jahreszeit große Strecken Landes und macht sie außerordentlich fruchtbar! Der vorher ausgestreute Same quillt durch das Nilwasser auf und bringt eine wunderbar reiche Ernte hervor, so daß die große Fruchtbarkeit Ägyptens sprichwörtlich geworden ist. So ist das Wort Gottes, lebendig gemacht durch die Kraft des Geistes Gottes, dem, der es sich glaubend zunutze macht, ein Strom von Leben, Kraft und Heil. Doch wie das Wasser durch Moses Machtwort zu Blut wurde auf dem trockenen Lande, so gereichen die Gnadenkräfte des Evangeliums zu Fluch und Tod und Verdammnis denen, welche sich nicht rechtzeitig, aufrichtig und gründlich durch dieselben erneuern lassen. Darum ruft uns die Schrift zu: „Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!“ – Wenn das Evangelium vielen ein Geruch des Lebens zum Leben ist, so ist es für die anderen ein Geruch des Todes zum Tode. So trägt also jeder Mensch die Verantwortung für seine Seele – die Verantwortung für das, was er vom Evangelium weiß und hört, selbst. Darum ruft uns der Herr Jesus zu: „Sehet zu, wie ihr höret!“ (2. Kor. 1,12-17; [Matth. 13,1-23].)

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