BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1918
Juni 1918

Sonnabend, den 22. Juni 1918


3. Mose 23,28-30 (VI. Der große Versöhnungstag)

Alle Arbeit war an diesem hohen Festtage verboten. Durch eigenes Wirken und Bemühen hätte ein Israelit das große Werk der Versöhnung, das an diesem Tage von Gott aus für ihn geschah, nur gehindert und ungültig gemacht. Andererseits aber drohte Gott mit Ausrottung, d. h. mit Todesstrafe jedem Israeliten, der die Seelenkasteiung unterließ, d. h. der nicht ernstlich und aufrichtig betrübt war über seine Ungerechtigkeiten. – So verbietet Gott auch heute am Tage des Heils jedem Sünder, der Versöhnung mit Gott sucht, das eigene Bemühen, sich Ihm wohlgefällig zu machen durch Halten der Gebote, durch Gebete, Almosen oder sonstige fromme Werke! „Denn durch Gesetzeswerke wird kein Fleisch vor Ihm gerechtfertigt werden!" (Röm. 3,20; lies auch Gal. 2,15.16; 3,10.11.) Andererseits aber fordert Gott aufrichtige Betrübnis über unsere Sünden; es kann kein Sünder mit Gott versöhnt und durch Christum gerettet werden, der sich nicht mit ganzem Herzen abwendet von seinen Ungerechtigkeiten und über dieselben Buße tut! – Auch von den gläubigen Juden der Zukunft wird Gott diese beiden Dinge fordern und sie zugleich durch Sein Wort und Seinen Geist in ihren Herzen wirken: Aufrichtige tiefe Buße und Trauer über ihre bisherige Blindheit und Feindschaft gegen Christum und andererseits Aufgabe aller eigenen Werkgerechtigkeit, so daß sie sich dann nur noch stützen und gründen auf die Gnade, auf die Erlösung, die in Christo Jesu ist! – Möge jede unserer Leser sich prüfen, ob diese von Gott bereitete und geforderte innere Stellung auch schon die seinige geworden ist durch den Glauben!

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