BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1918
Juni 1918

Donnerstag, den 13. Juni 1918


3. Mose 23,17 (IV. Webebrote oder Pfingstfest)

Wie die Weizenkörner, die zuvor auf den verschiedenen Feldern der Kinder Israel gewachsen waren, dort in den zwei „Webebroten“*) vereinigt vor Gott gebracht wurden, so hat der Heilige Geist nunmehr die glaubenden Christen geistlicherweise zu einem Leibe zusammengefügt; „denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen“. (1. Kor. 10,17.) „Aber es sind zwei Brote, die in Israel dem Herrn dargebracht wurden!“ wendet man ein. Ja, aber die beiden bildeten eine Darbringung! Daß es trotzdem zwei Brote waren, soll wohl darauf hindeuten, daß die Gemeinde sowohl aus den Juden wie aus den Heiden gesammelt und gebildet werden sollte. Ihre Vereinigung lag ja damals noch in ferner Zukunft, daher ist auch das Vorbild noch unvollkommen, obwohl sehr vielsagend. Durch Christi vollendetes Erlösungswerk und durch die Herniederkunft und Machtwirkung des Heiligen Geistes ist die Vereinigung aller Gläubigen zu einem Ganzen tatsächlich bewirkt worden, deshalb sagt der Apostel Paulus im Namen aller: „Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen; denn wir alle sind des einen Brotes teilhaftig.“ 1. Kor. 10,17.) Ja, alle wahren Erlösten – ob aus den Juden oder aus den übrigen Nationen der Welt – bilden miteinander ein Ganzes; sie sind „durch einen Geist zu einem Leibe getauft“. (1. Kor. 12,13.) – Gerade in unseren Tagen, wo soviel gegenseitiger Nationalhaß unter den Völkern entflammt ist durch den furchtbaren Krieg, bedürfen die Kinder Gottes in allen Ländern ganz besonderer Gnade und Unterwürfigkeit unter des Herrn Wort und Willen, um sich im Glauben über die trennenden Schranken und menschlich zum Teil berechtigten Haß- und Rachegefühle gänzlich hinwegzuheben und ihr inniges, ewiges Verbundensein mit allen Erlösten auf dem ganzen Erdenrund im Geiste der Liebe zu erfassen und festzuhalten!

*) Diese Brote wurden Webe- oder Schwenkbrote genannt, weil der Hohepriester Israels sie auf den Händen feierlich vor dem Herrn „hin- und herweben“ oder -schwenken sollte zum Zeichen, daß sie Ihm dargebracht seien.

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