BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
F. Das goldene Kalb und Moses Umgang mit Gott (2. Mose 32-34)

8. Mose verhandelt mit dem HERRN, dass sein Angesicht doch mit hinaufzieht nach Kanaan (2. Mose 33,11-17)


2. Mose 33,12-13

12 Und Mose sprach zu dem HERRN: Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf! und läßt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst, so du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. 13 Habe ich denn Gnade vor deinen Augen gefunden, so laß mich deinen Weg wissen, damit ich dich kenne und Gnade vor deinen Augen finde. Und siehe doch, daß dies Volk dein Volk ist.

Mose nimmt also hier den Auftrag auf, den der Herr ihm in Kap. 32,34 und 33,1. 2 gegeben hat.

2. Mose 32,34 -- So gehe nun hin und führe das Volk, dahin ich dir gesagt habe. Siehe, mein Engel soll vor dir her gehen. Ich werde ihre Sünde wohl heimsuchen, wenn meine Zeit kommt heimzusuchen. / 2. Mose 33,1.2 -- 1 Der HERR sprach zu Mose: Gehe, ziehe von dannen, du und das Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe und gesagt: Deinem Samen will ich's geben; 2 und ich will vor dir her senden einen Engel und ausstoßen die Kanaaniter, Amoriter, Hethiter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter

Er fühlt sich schwach in sich selbst. Er braucht jemanden, der mit ihm geht und sehnt sich nach keinem anderen Begleiter als nach dem Herrn Selbst! Er beruft sich darauf, daß der Herr ihn in ein besonderes Vertrauensverhältnis hineingezogen und ihn Seiner Gnade, Seines Wohlgefallens versichert hat. - Wir werden erinnert an den Apostel Paulus, dem der Herr versicherte: „Meine Gnade - Mein persönliches Wohlgefallen ist genug für dich, denn Meine Kraft offenbart sich in deiner Schwachheit!“ - Auf dieses Zeugnis der Gnade und der Vertrautheit sich stützend, bittet Mose: „Herr, laß mich doch Deinen Weg wissen!“, d.h. tue mir kund, was Du mit Deinem Volk Israel vorhast, und wie Du Deine Straf= und Erziehungswege in Einklang bringst mit Deinem wunderbaren, großen Heilsplan, den Du über Israel gefaßt hast, und den Du ganz gewiß zur Ausführung und Vollendung bringst! - Das Wort „Dein Weg“ oder „des Herrn Weg“ findet sich überaus häufig in der Schrift. Es zeigt uns die Richtung, die Bahn, welche Gott in dieser dunklen Welt für diejenigen bereitet hat, die sich ihm kindlich und gehorsam anvertrauen - die Er zu Seiner Herrlichkeit beruft und bringen wird! - So fleht später David - vielleicht angeregt durch die Bitte des Mose: „Deine Wege, Herr, tue mir kund - Deine Pfade lehre mich; leite mich in Deiner Wahrheit!“ „Lehre mich, Herr, den Weg Deiner Satzungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende!“ - Wir denken auch an das wichtige Wort: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und das Licht auf meinem Wege!“ - Ja, das einzige Licht, in welchem wir alles richtig erkennen, und welches vermag, uns Schritt für Schritt den göttlichen Weg zu zeigen - es ist die Heilige Schrift! - Wir brauchen unbedingt die Gewißheit, auf dem göttlichen Weg uns zu befinden und vorwärts zu kommen! Es hängt alles für uns davon ab, daß wir mit Gott in Übereinstimmung sind, daß wir Ihm wohlgefallen und daß wir zur rechten Zeit das Ziel erreichen, das Er Sich hier in unserer kurzen Erdenzeit mit uns gesteckt hat!- Mose fühlte seine große Verantwortung für das ihm anvertraute Volk und auch für seine eigene Seele. Wie später ein Paulus, so rang und kämpfte auch er unablässig um stets erneute Einwirkungen des göttlichen Geistes in seinem Inneren! (Lies Phil. 3,7-14.)

Philipper 3,7-14 -- 7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. 8 Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu, meines HERRN, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Kot, auf daß ich Christum gewinne 9 und in ihm erfunden werde, daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, 10 zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde, 11 damit ich gelange zur Auferstehung der Toten. 12 Nicht, daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht, daß ich's ergriffen habe. Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu.

Nichts anderes als die Macht und Barmherzigkeit Gottes und das Licht Seines Angesichts konnte Mose samt Israel zum ewigen Ziele bringen. (Lies Ps. 43,3; 44,3 [Luth. 4].)

Psalm 43,3 -- Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, / Psalm 44,4 -- Denn sie haben das Land nicht eingenommen durch ihr Schwert, und ihr Arm half ihnen nicht, sondern deine Rechte, dein Arm und das Licht deines Angesichts; denn du hattest Wohlgefallen an ihnen.

In den Wegen und Führungen, in den Absichten und Zielen Gottes wollte Mose Ihn Selbst, seinen herrlichen Gott, besser kennenlernen, und das eine Begehren erfüllte ihn dabei: diesen seinen wunderbaren Gott zu ehren - Ihm wohlgefällig zu sein und zu bleiben: „Wenn ich Gnade gefunden habe in Deinen Augen, so laß mich doch Deinen Weg wissen, daß ich Dich erkenne - damit ich (auch mit meinem ganzen Tun und Lassen - mit meinem Wandel und Verhalten) Gnade finde in Deinen Augen!“ - Wir dürfen ans innerstem Herzen beten: „Laß das Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig sein vor Dir, Herr, mein Fels und mein Erlöser!“ [Lies Ps. 143,10; Spr. 12,22; 16,7.]

Psalm 143,10 -- Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. / Sprüche 12,22 -- Falsche Mäuler sind dem HERRN ein Greuel; die aber treulich handeln, gefallen ihm wohl. / Sprüche 16,7 -- Wenn jemands Wege dem HERRN wohl gefallen, so macht er auch seine Feinde mit ihm zufrieden.

(Samstag, 25. Mai 1935)

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