BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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Startseite -- Bücher AT -- 2. Mose -- 136 (Mose folgt dem Rat seines Schwiegervaters und setzt Oberste ein, um das Volk zu richten)
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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
C. Israel in der WILDNIS (2. Mose 15-19)

18. Mose folgt dem Rat seines Schwiegervaters und setzt Oberste ein, um das Volk zu richten (2. Mose 18,13-27)


2. MOSE 18,13-27

13 Des andern Morgens setzte sich Mose, das Volk zu richten; und das Volk stand um Mose her von Morgen an bis zu Abend. 14 Da aber sein Schwiegervater sah alles, was er dem Volke tat, sprach er: Was ist's, das du tust mit dem Volk? Warum sitzt du allein, und alles Volk steht um dich her von Morgen an bis zu Abend? 15 Mose antwortete ihm: Das Volk kommt zu mir, Gott um Rat zu fragen. 16 Denn wo sie was zu schaffen haben, kommen sie zu mir, daß ich richte zwischen einem jeglichen und seinem Nächsten und zeige ihnen Gottes Rechte und seine Gesetze. 17 Sein Schwiegervater sprach zu ihm: Es ist nicht gut, was du tust. 18 Du machst dich zu müde, dazu das Volk auch, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst's allein nicht ausrichten. 19 Aber gehorche meiner Stimme; ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein. Pflege du des Volks vor Gott und bringe die Geschäfte vor Gott 20 und stelle ihnen Rechte und Gesetze, daß du sie lehrst den Weg, darin sie wandeln, und die Werke, die sie tun sollen. 21 Siehe dich aber um unter allem Volk nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig und dem Geiz feind sind; die setze über sie, etliche über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, 22 daß sie das Volk allezeit richten; wo aber eine große Sache ist, daß sie dieselbe an dich bringen, und sie alle geringen Sachen richten. So wird dir's leichter werden, und sie werden mit dir tragen. 23 Wirst du das tun, so kannst du ausrichten, was Gott dir gebietet, und all dies Volk kann mit Frieden an seinen Ort kommen. 24 Mose gehorchte seines Schwiegervaters Wort und tat alles, was er sagte, 25 und erwählte redliche Leute aus ganz Israel und machte sie zu Häuptern über das Volk, etliche über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, 26 daß sie das Volk allezeit richteten; was aber schwere Sachen wären, zu Mose brächten, und die kleinen Sachen selber richteten. 27 Also ließ Mose seinen Schwiegervater in sein Land ziehen.

5. MOSE 1,9-18

9 Da sprach ich zu derselben Zeit zu euch: Ich kann nicht allein ertragen; 10 denn der HERR, euer Gott, hat euch gemehrt, daß ihr heutigestages seid wie die Menge der Sterne am Himmel. 11 Der HERR, euer Väter Gott, mache euer noch viel tausend mehr und segne euch, wie er euch verheißen hat! 12 Wie kann ich allein solche Mühe und Last und Hader von euch ertragen? 13 Schafft her weise, verständige und erfahrene Leute unter euren Stämmen, die will ich über euch zu Häuptern setzen. 14 Da antwortetet ihr mir und spracht: Das ist ein gut Ding, davon du sagst, daß du tun willst. 15 Da nahm ich die Häupter eurer Stämme, weise und erfahrene Männer, und setzte sie über euch zu Häuptern über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, und zu Amtleuten unter euren Stämmen, 16 und gebot euren Richtern zur selben Zeit und sprach: Verhört eure Brüder und richtet recht zwischen jedermann und seinem Bruder und dem Fremdlinge. 17 Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen, sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen, und vor niemandes Person euch scheuen; denn das Gerichtamt ist Gottes. Wird aber euch eine Sache zu hart sein, die lasset an mich gelangen, daß ich sie höre. 18 Also gebot ich euch zu der Zeit alles, was ihr tun sollt.

Jethro erkennt klar die hohen Gaben und Aufgaben seines Schwiegersohnes. Die höchste derselben bezeichnet er mit folgenden Worten: „Sei du für das Volk vor Gott und bringe du ihre Angelegenheiten vor Gott!“ Dies ist der heilige Dienst des Gebets. - Für alle, die zu führen und zu regieren haben im Reiche Gottes, kann die Wichtigkeit des Weilens vor Gottes Angesicht und der Dienst heiliger Fürbitte für die anvertrauten Seelen - für das anvertraute Werk nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als eng hiermit verbunden nennt Jethro den Dienst mit dem Wort Gottes: „Erläutere ihnen die Satzungen und das Gesetz Gottes und tue ihnen den Weg kund, auf welchem sie wandeln, und das Werk, das sie tun sollen!“ Wir werden hier erinnert an die Zeit der ersten Gemeinde zu Jerusalem, als alle Gläubigen ein Herz und eine Seele waren und auch die tägliche Speisung eine gemeinsame war. Da sprachen die zwölf Apostel zu den Brüdern: „Es ist nicht gut, daß wir das Wort Gottes verlassen und die Tische bedienen! So wählt denn aus eurer Mitte, liebe Brüder, sieben Männer von gutem Zeugnis, die voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, damit wir sie für diesen Dienst bestellen. Wir selbst aber wollen uns nach wie vor dem Gebet und dem Dienst des Wortes widmen!“ - Vers 22: Dazu kommt, daß die oberste Leitung häufig zu milde, zu gütig verfahren würde in all den vielen kleinen Anliegen, welche die Vielen vorzubringen haben. Schon aus diesem Grunde ist es gut, wenn Zwischeninstanzen da sind. - Es ist durchaus nötig, zu unterscheiden zwischen großen und kleinen, wichtigen und weniger wichtigen Angelegenheiten. Mancher leitenden Persönlichkeit gelingt es deshalb nicht, all die großen und wichtigeren Aufgaben zu erfüllen, die vorhanden sind, weil sie sich zuviel mit Unwesentlichem abgeben muß. Wir sollten unsere Kraft für die höchsten und wichtigsten Dienste sammeln und nützen und anderen das überlassen, was sie tun können. Damit soll natürlich nicht jener hochmütigen Art Vorschub geleistet werden, die sich für zu gut hält für schlichte und geringe Arbeiten und die auf andere herabschaut! - Wer hieran krankt, wird überhaupt nicht für einen dem Herrn wohlgefälligen Dienst in Betracht kommen! Denn Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber verleiht Er Gnade - auch Gnade zu einem fruchtbringenden, Ihm angenehmen Dienen! - Mose hat die Weisheit seines Schwiegervaters in diesem Vorschlag erkannt und hat sie sich dienen lassen. Er ließ sich vom Volke weise, einsichtsvolle und geachtete Männer, die bereits eine leitende Stellung innehatten, vorschlagen (vgl. 5. Mos. 1,13) und setzte dieselben zu Obersten und Richtern, indem er sie zu unparteiischer, wohlwollender Rechtspflege verpflichtete. Sie wurden gegliedert in Oberste über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, jedoch so, daß diese Einteilung sich an die. natürliche Gliederung des Volkes nach Stämmen, Geschlechtern und Familien anschloß. - Was wir in 4. Mose 11 finden, ist wohl nicht das gleiche, sondern eine Fortsetzung dieser Begebenheit. Aus den Obersten und Ältesten, die Mose hier (2. Mos. 18) einsetzte, wählte er dort jene siebzig aus, die Gott ihm beigibt. Können wir nicht aus der Stellung des Mose zu seinem Schwiegervater viel lernen? Wie achtungsvoll begegnet er ihm - wie liebevoll! - Wohl stand er selbst dem Herrn viel näher als Jethro und besaß eine ganz andere Kenntnis des göttlichen Willens und der göttlichen Herrlichkeit. Dennoch ehrt und liebt er seinen Schwiegervater und richtet sich nach der göttlichen Vorschrift, die er selbst später im Namen Gottes dem Volke Israel gibt: „Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und die Person eines Greises ehren; denn du sollst dich fürchten vor deinem Gott!“ [Vgl. 1. Kön. 2,19; Hiob 32,4-7; Spr. 16,31; 20,29.]

1. Könige 2,19 -- Und Bath-Seba kam hinein zum König Salomo, mit ihm zu reden Adonias halben. Und der König stand auf und ging ihr entgegen und neigte sich vor ihr und setzte sie auf seinen Stuhl. Und es ward der Mutter des Königs ein Stuhl gesetzt, daß sie sich setzte zu seiner Rechten. / Hiob 32,4-7 -- 4 Denn Elihu hatte geharrt, bis daß sie mit Hiob geredet hatten, weil sie älter waren als er. 5 Darum, da er sah, daß keine Antwort war im Munde der drei Männer, ward er zornig. 6 Und so antwortete Elihu, der Sohn Baracheels von Bus, und sprach: Ich bin jung, ihr aber seid alt; darum habe ich mich gescheut und gefürchtet, mein Wissen euch kundzutun. 7 Ich dachte: Laß das Alter reden, und die Menge der Jahre laß Weisheit beweisen. / Sprüche 16,31 -- Graue Haare sind eine Krone der Ehren, die auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden wird. / Sprüche 20,29 -- Der Jünglinge Stärke ist ihr Preis; und graues Haar ist der Alten Schmuck.

Wie oft aber wird so ganz, ganz anders gehandelt, manchmal gerade gegenteilig von dem, was die Bibel uns sagt! [Lies Jes. 3,5; Klagel. 5,12.]

Jesaja 3,5 -- Und das Volk wird Schinderei treiben, einer an dem andern und ein jeglicher an seinem Nächsten; und der Jüngere wird stolz sein gegen den Alten und der geringe Mann wider den geehrten. / Klagelieder 5,12 -- Die Fürsten sind von ihnen gehenkt, und die Person der Alten hat man nicht geehrt.

Und doch wird uns zugerufen: „Gebt allen, was ihnen gebührt: die Ehrfurcht, dem die Ehrfurcht zukommt; die Ehre, dem die Ehre zukommt!“ (Vgl. 1. Tim. 5,1; 1. Petr. 2,17.)

1. Timotheus 5,1 -- Einen Alten schilt nicht, sondern ermahne ihn als einen Vater, die Jungen als Brüder. / 1. Petrus 2,17 -- Tut Ehre jedermann, habt die Brüder lieb; fürchtet Gott, ehret den König!

(Mittwoch, 23. Mai 1934)

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