BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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Startseite -- Bücher AT -- 2. Mose -- 008 (Mose flieht ins Land Midian und heiratet eine der Töchter des Priesters Reguël)
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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
A. Die NOT Israels in Ägypten (2. Mose 1-6)

5. Mose flieht ins Land Midian. Dort hilft er Töchtern des Priesters Reguël und heiratet eine von ihnen (2. Mose 2,15-22)


2. MOSE 2,15-20

15 Und es kam vor Pharao; der trachtete nach Mose, daß er ihn erwürgte. Aber Mose floh vor Pharao und blieb im Lande Midian und wohnte bei einem Brunnen. 16 Der Priester aber von Midian hatte sieben Töchter; die kamen, Wasser zu schöpfen, und füllten die Rinnen, daß sie ihres Vaters Schafe tränkten. 17 Da kamen die Hirten und stießen sie davon. Aber Mose machte sich auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe. 18 Und da sie zu ihrem Vater Reguel kamen, sprach er: Wie seid ihr heute so bald gekommen? 19 Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann errettete uns von den Hirten und schöpfte uns und tränkte die Schafe. 20 Er sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann gelassen, daß ihr ihn nicht ludet, mit uns zu essen?

Psalm 25,1-22

1 Ein Psalm Davids. Nach dir, HERR, verlangt mich. 2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; laß mich nicht zu Schanden werden, daß sich meine Feinde nicht freuen über mich. 3 Denn keiner wird zu Schanden, der dein harret; aber zu Schanden müssen sie werden, die leichtfertigen Verächter. 4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige; 5 leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich dein. 6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. 7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen; gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen! 8 Der HERR ist gut und fromm; darum unterweist er die Sünder auf dem Wege. 9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. 10 Die Wege des HERRN sind eitel Güte und Wahrheit denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten. 11 Um deines Namens willen, HERR, sei gnädig meiner Missetat, die da groß ist. 12 Wer ist der, der den HERRN fürchtet? Er wird ihn unterweisen den besten Weg. 13 Seine Seele wird im Guten wohnen, und sein Same wird das Land besitzen. 14 Das Geheimnis des HERRN ist unter denen, die ihn fürchten; und seinen Bund läßt er sie wissen. 15 Meine Augen sehen stets zu dem HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. 17 Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! 18 Siehe an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! 19 Siehe, daß meiner Feinde so viel sind und hassen mich aus Frevel. 20 Bewahre meine Seele und errette mich, laß mich nicht zu Schanden werden; denn ich traue auf dich. 21 Schlecht und Recht, das behüte mich; denn ich harre dein. 22 Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not!

Erst als Mose – von seinen Brüdern gänzlich mißverstanden und abgelehnt, von Pharaos Wut verfolgt – als ein vereinsamter Fremdling über die Grenze geflohen war, kam es ihm zum Bewußtsein, daß er nun im doppelten Sinne heimatlos war. Ägyptens Hof und die Fürsorge seiner Pflegemutter hatte er um seiner Brüder willen verlassen, und diese verwarfen ihn nun. Welch eine Lage! – Mose klammerte sich an seinen Gott, sonst hätte es für ihn keinen anderen Weg mehr gegeben als den der Verzweiflung! So aber reifte er ganz wesentlich im Vertrauen zu seinem Gott und im vertrauten Umgang mit Ihm! [Man denke an einen ähnlichen Augenblick im Leben Davids! Hier wird uns gesagt: David war in furchtbarer Bedrängnis, denn seine Leute sprachen davon, ihn zu steinigen; sie waren ganz erbittert! „Aber David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott!“ [Lies 1. Sam. 30,1-6]

1. Samuel 30,1-6 -- 1 Da nun David des dritten Tages kam gen Ziklag mit seinen Männern, waren die Amalekiter eingefallen ins Mittagsland und in Ziklag und hatten Ziklag geschlagen und mit Feuer verbrannt 2 und hatten die Weiber daraus weggeführt, beide, klein und groß; sie hatten aber niemand getötet, sondern weggetrieben, und waren dahin ihres Weges. 3 Da nun David samt seinen Männern zur Stadt kam und sah, daß sie mit Feuer verbrannt und ihre Weiber, Söhne und Töchter gefangen waren, 4 hoben David und das Volk, das bei ihm war, ihre Stimme auf und weinten, bis sie nicht mehr weinen konnten. 5 Denn Davids zwei Weiber waren auch gefangen: Ahinoam, die Jesreelitin, und Abigail, Nabals Weib, des Karmeliten. 6 Und David war sehr geängstet, denn das Volk wollte ihn steinigen; denn des ganzen Volkes Seele war unwillig, ein jeglicher um seine Söhne und Töchter willen. David aber stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott,

Moses einziger und letzter Rettungsanker war also sein Gott – der Unsichtbare und doch so wunderbar Nahe! – Hier ist zu lernen, daß es eine notwendige Vorstufe zum vertrauten Umgang mit dem Herrn ist: gelöst zu werden von dem Vertrauen auf Menschen oder auf irdischen Besitz, von dem Rechnen mit Menschenhilfe oder mit eigener Kraft! – Bei vielen Kindern Gottes benutzt der Herr tiefe Trübsal, Enttäuschung, Vereinsamung oder auch körperliche Leiden, um ihr Herz zu lösen von diesen Stützen. Sie müssen dahin kommen: Ich bin auf Gott allein geworfen! [Lies Ps. 62,1-7 (Luth. 2-8).]

Psalm 62,2-8 -- 2 Meine Seele sei stille zu Gott, der mir hilft. 3 Denn er ist mein Hort, meine Hilfe, meine Schutz, daß mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist. 4 Wie lange stellt ihr alle einem nach, daß ihr ihn erwürget - als eine hängende Wand und zerrissene Mauer? 5 Sie denken nur, wie sie ihn dämpfen, fleißigen sich der Lüge; geben gute Worte, aber im Herzen fluchen sie. (Sela.) 6 Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. 7 Er ist mein Hort, meine Hilfe und mein Schutz, daß ich nicht fallen werde. 8 Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott.

Es wird bei ihnen Wahrheit, daß sie sich an den Unsichtbaren halten, als sähen sie Ihn. – Als Mose über die Grenze gekommen – innerlich und äußerlich erschöpft – sich an einem Brunnen niedergelassen hatte, da erbarmte der Herr Sich über ihn und gab ihm eine Beschäftigung. Durch ein freundliches Zuhilfekommen seinerseits kam es dazu. Durch eine kleine Aufmerksamkeit oder Liebestat können wir uns oft selbst den Weg bahnen, den Gott für uns bestimmt hat.- Allerdings war es keine Kleinigkeit für den ehemaligen ägyptischen Prinzen, nun Schafhirte zu sein; dies war ein Beruf den Mose wohl bis vor kurzem sehr verachtet hatte. [Vgl. 1. Mos. 46,34.]

1. Mose 46,34 -- 34 so sollt ihr sagen: Deine Knechte sind Leute, die mit Vieh umgehen, von unsrer Jugend auf bis her, beide, wir und unsre Väter, auf daß ihr wohnen möget im Lande Gosen. Denn was Viehhirten sind, das ist den Ägyptern ein Greuel.

Wenn Gott uns in Seine Schule nimmt, dann heißt es niedersteigen. Ja, der Mose, den wir hier willig den Schafhütedienst übernehmen sehen, war schon ein sehr anderer, als der im Palast Pharaos aus- und eingegangen war! Aber bis zur Demut, die der Herr wirklich anerkennen und gebrauchen kann, sind viele Stufen hinabzusteigen. – Was hätte Mose wohl empfunden, wenn er jetzt schon erfahren hätte, daß er diese eintönige, niedrige Arbeit in der Wüste vierzig lange Jahre verrichten sollte? – War das die göttliche Belohnung, mit welcher Mose bei seiner Lebensentscheidung der Tochter Pharaos gegenüber gerechnet hatte? Konnte es die Absicht Gottes mit diesem hochbegabten und hochgebildeten, am Königshofe erzogenen Manne sein, daß er als unbekannter Schafhirt hier in der Wüste enden sollte? Es sah so aus. – Vierzig Jahre der Einsamkeit, der Entsagung, des Wunschloswerdens gingen hin. Aber die Weisheit Gottes wußte, was sie tat. Gott läßt sich Zeit, das kostbare Ziel mit uns zu erreichen, das Er sich nicht nur für Himmel, sondern auch für dieses Erdenleben mit uns gesteckt hat.

(Dienstag, 9. Januar 1934)

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