DER TITUSBRIEF
Titus 1,10-14
10 Denn es sind viel freche und unnütze Schwätzer und Verführer, sonderlich die aus den Juden, 11 welchen man muß das Maul stopfen, die da ganze Häuser verkehren und lehren, was nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen. 12 Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: "Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche." 13 Dies Zeugnis ist wahr. Um der Sache willen strafe sie scharf, auf daß sie gesund seien im Glauben 14 und nicht achten auf die jüdischen Fabeln und Gebote von Menschen, welche sich von der Wahrheit abwenden
2. Petrus 2,1-22
1 Es waren auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die nebeneinführen werden verderbliche Sekten und verleugnen den HERRN, der sie erkauft hat, und werden über sich selbst herbeiführen eine schnelle Verdammnis. 2 Und viele werden nachfolgen ihrem Verderben; um welcher willen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. 3 Und durch Geiz mit erdichteten Worten werden sie an euch Gewinn suchen; welchen das Urteil von lange her nicht säumig ist, und ihre Verdammnis schläft nicht. 4 Denn Gott hat die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben, daß sie zum Gericht behalten werden; 5 und hat nicht verschont die vorige Welt, sondern bewahrte Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, selbacht und führte die Sintflut über die Welt der Gottlosen, 6 und hat die Städte Sodom und Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt, damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden. 7 und hat erlöst den gerechten Lot, welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel; 8 denn dieweil er gerecht war und unter ihnen wohnte, daß er's sehen und hören mußte, quälten sie die gerechte Seele von Tag zu Tage mit ihren ungerechten Werken. 9 Der HERR weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, sie zu peinigen, 10 allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust, und die Herrschaft verachten, frech, eigensinnig, nicht erzittern, die Majestäten zu lästern, 11 so doch die Engel, die größere Stärke und Macht haben, kein lästerlich Urteil wider sie fällen vor dem HERRN. 12 Aber sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von Natur dazu geboren sind, daß sie gefangen und geschlachtet werden, lästern, davon sie nichts wissen, und werden in ihrem verderblichen Wissen umkommen 13 und den Lohn der Ungerechtigkeit davonbringen. Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster, prangen von euren Almosen, prassen mit dem Euren, 14 haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren, locken an sich die leichtfertigen Seelen, haben ein Herz, durchtrieben mit Geiz, verfluchte Leute. 15 Sie haben verlassen den richtigen Weg und gehen irre und folgen nach dem Wege Bileams, des Sohnes Beors, welcher liebte den Lohn der Ungerechtigkeit, 16 hatte aber eine Strafe seiner Übertretung: das stumme lastbare Tier redete mit Menschenstimme und wehrte des Propheten Torheit. 17 Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. 18 Denn sie reden stolze Worte, dahinter nichts ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust diejenigen, die recht entronnen waren denen, die im Irrtum wandeln, 19 und verheißen ihnen Freiheit, ob sie wohl selbst Knechte des Verderbens sind. Denn von wem jemand überwunden ist, des Knecht ist er geworden. 20 Denn so sie entflohen sind dem Unflat der Welt durch die Erkenntnis des HERRN und Heilandes Jesu Christi, werden aber wiederum in denselben verflochten und überwunden, ist mit ihnen das Letzte ärger geworden denn das Erste. 21 Denn es wäre ihnen besser, daß sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, als daß sie erkennen und sich kehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist. 22 Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: "Der Hund frißt wieder, was er gespieen hat;" und: "Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot."
Was für Schaden anmaßende religiöse Schwätzer unter unbefestigten Gläubigen anrichten können, ist unabsehbar. Es ist leider eine Tatsache, daß die meisten Gläubigen sehr wenig - fast gar keine Unterscheidungsgabe haben und einer anmaßenden Persönlichkeit sich nur allzuleicht beugen! Man muß dem Herrn Jesus sehr nahe stehen - mit Seinem Worte sehr vertraut sein, um stets Irrtum und Wahrheit unterscheiden zu können. Manchmal wird aus Unwissenheit und Engherzigkeit das als Sekte und Irrtum gebrandmarkt, was eine von Gottes Geist gewirkte neue Bewegung ist, während viele dem, was wirklich Irrtum und Sektenwesen ist, in die Arme laufen! - Auf Kreta wurden damals ganze Häuser, Eltern und Kinder, Vorgesetzte und Untergebene in Verwirrung gebracht. Und dabei spielte in arger Weise Geld und Betrug mit, und Unbefestigte wurden in schlimmste Fleischessünden hineingerissen durch die Verführer. (Lies 2. Tim. 3,1-9.)
Auch heute kann man durchaus nicht jedem, der im Namen Christi kommt, Herz und Haus öffnen! Es laufen und reisen auch in unseren Tagen solche „Prediger“ und „Predigerinnen“ umher, welche imstande sind, ganze Häuser umzukehren - Seelen zu betören und zu verderben - gesegnete Gemeinschaften von Kindern Gottes zu ruinieren. (Lies 2. Joh. 6-11.)
Deshalb ist die dringliche Mahnung für uns alle am Platz: „Ihr nun, Geliebte, da ihr es vorher wisset, so hütet euch, daß ihr nicht, durch den Irrtum der Ruchlosen mit fortgerissen, aus eurer eigenen Festigkeit fallet. Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi!“
Die Kreter hatten einen besonders üblen Volkscharakter, so daß selbst einer ihrer eigenen, altberühmten Dichter und Philosophen, Epimenides aus Gnossus (600 v. Chr.) es ausgesprochen hatte: „Kreter sind immer Lügner - böse, wilde Tiere - faule Bäuche!“ - Aber selbst unter diesem Volksstamm bewies das Evangelium von Jesus seine rettende Macht - tat die Gnade ihr Wunderwerk in der offensichtlichen Bekehrung und Neuschaffung verlorener Sünder in Christo! Das bezeugt uns gerade dieser nach Kreta gerichtete Brief! - Aber wir lernen auch noch etwas anderes hier: Obwohl die Gnade ihr neuschaffendes Werk an den gesunkensten Sündern tut, so bedürfen die Geretteten doch dann sehr der Bewahrung, Überwachung und Erziehung! (Lies Kol. 2,5-11; 1. Petr. 2,1-3.11-16.) '''
Es geht über die Schwelle der Bekehrung noch vieles vom alten Wesen, von den bisherigen Gewohnheiten und Fehlern mit, was nur unter ernster und beständiger Zucht des Heiligen Geistes überwunden, ausgerottet und abgelegt werden kann!''' Und hierzu brauchen die Bekehrten dringend der treuen Hilfe - der aufmerksamen, seelsorgerlichen Pflege und Erziehung durch vorbildlich wandelnde, von der Liebe und Weisheit Christi erfüllte Führer!
(Samstag, den 25. September 1926)