DER TITUSBRIEF
Titus 1,6-9
6 wo einer ist untadelig, eines Weibes Mann, der gläubige Kinder habe, nicht berüchtigt, daß sie Schwelger und ungehorsam sind. 7 Denn ein Bischof soll untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigensinnig, nicht zornig, nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben; 8 sondern gastfrei, gütig, züchtig, gerecht, heilig, keusch, 9 und haltend ob dem Wort, das gewiß ist, und lehrhaft, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher.
1. Petrus 5,1-5
1 Die Ältesten, so unter euch sind, ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden, die in Christo sind, und auch teilhaftig der Herrlichkeit, die offenbart werden soll. 2 Weidet die Herde Christi, die euch befohlen ist und sehet wohl zu, nicht gezwungen, sondern willig; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, 3 nicht als übers Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Herde. 4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen. 5 Desgleichen, ihr Jüngeren, seid untertan den Ältesten. Allesamt seid untereinander untertan und haltet fest an der Demut. Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
Die Eigenschaften, welche zum Aufseher- oder Führerdienst erforderlich sind, umschließen Bewährung und Erfahrung. „Untadelig“ muß der Hirte sein, der seinen Brüdern und Schwestern vorangehen soll; d. h. er muß einen geheiligten Christenwandel führen, so daß niemand mit Recht etwas an ihm auszusetzen hat. Paulus war in hohem Maße ein solcher Führer. Er konnte die Thessalonicher erinnern: „Ihr seid Zeugen und Gott, wie göttlich und gerecht und untadelig wir gegen euch, die Glaubenden, waren!“ - Das Zeugnis, welches der Geist Gottes dem Priester Zacharias und seiner Frau gibt, sollte auf alle anwendbar sein, welche Hirtendienste in der Gemeinde des Herrn Jesu versehen: „Beide aber waren gerecht vor Gott, indem sie untadelig wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn!“ (Vgl. Ps. 119,1-3.)
Wenn wir die Schrift befragen, dann erwartet Gott solchen Wandel aber nicht nur von den Ältesten, sondern von jedem wahren Kinde Gottes und Er hat auch für ein jedes Kraft und Gnade dazu bereit! (Lies 1. Kor. 1,8; Phil. 2,14-16; 2. Petr. 3,14; Jud. 24.25.)
„Eines Weibes Mann“ - das ist uns heute für einen Diener in der Gemeinde Gottes ganz selbstverständlich - überhaupt für jeden christlichen Mann, trotz aller Übertretung dieses Gebotes rings umher in der Welt! In den Tagen des Apostels aber gab es in den heidenchristlichen Gemeinden viele, die vor ihrer Bekehrung in der Vielweiberei gelebt hatten. Wer hiervon noch Folgen und Spuren in seinem Familienleben zeigte, der war zu solch heiligem Dienst nicht zu gebrauchen. Denn bei diesem Dienst liegt das größte Gewicht im persönlichen Vorbild. Das häusliche Leben eines Ältesten und Hirten muß vorbildlich sein in jeder Hinsicht; sonst nützt sein Wort und Dienst nichts - sonst bereitet er der Sache Gottes großen Schaden! - O, daß dies ein jeder beherzigte, der nach solch heiligem Werk begehrt oder es tut! - Wird doch von den übrigen Gläubigen verlangt, daß sie „die anerkennen, welche unter ihnen arbeiten und ihnen vorstehen im Herrn“; und „daß sie sie über die Maßen in Liebe achten um ihres Werkes willen!“ - Wie treu muß daher das Wirken eines Vorstehers sein - wie heilig und lauter, wie gerecht und liebevoll sein Wandel, besonders den Allernächsten gegenüber!
(Samstag, den 18. September 1926)