BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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HOSEA

Hosea 3,1-3

1 Und der HERR sprach zu mir: Gehe noch einmal hin und buhle um ein buhlerisches und ehebrecherisches Weib, wie denn der HERR um die Kinder Israel buhlt, und sie sich doch zu fremden Göttern kehren und buhlen um eine Kanne Wein 2 Und ich ward mit ihr eins um fünfzehn Silberlinge und anderthalb Scheffel Gerste 3 und sprach zu ihr: Halt dich als die Meine eine lange Zeit und hure nicht und gehöre keinem andern an; denn ich will mich auch als den Deinen halten.

Nachdem uns der Schluß des zweiten Kapitels die schließliche Segnung und Herrlichkeit des Volkes Israel in der heute noch zukünftigen Endzeit vor Augen führte, wird hier zurückgegriffen. Wir erfahren, daß der Prophet mit seinem von ihm treu und geduldig geliebten Weibe dieselben tiefschmerzlichen Erfahrungen gemacht hatte, wie Gott mit Seinem untreuen Volke Israel! Die Gomer, welche das rechtmäßige Weib des Propheten geworden war, ist - entsprechend ihren früheren bösen Neigungen und Wegen - ihrem Manne untreu geworden.*) Obwohl dieser ihr ein treuer Gatte und Freund gewesen und geblieben und sie mit heiliger, barmherziger Liebe geliebt und versorgt hatte, war sie von ihm gegangen und hatte sich an einen Anderen gehängt. Hosea empfängt nun den schweren Auftrag, sein untreues Weib um Geld und Gabe von dem fremden Manne loszukaufen und zu sich zurückzubringen. Der erste Gang, als er sie auf Gottes Befehl sich zum Weibe nahm, war ein schwerer gewesen. Dieser zweite Befehl, das ihm abtrünnig gewordene Weib zu sich zurückzuholen, sie zu ihrer Demütigung und Zurechtbringung in strenge Zucht zu nehmen (V. 3) und zugleich durch heilige und geduldige Liebe ihr Herz zu gewinnen, war noch schwerer. Doch der HERR gibt den Seinen nie einen Befehl, ohne ihnen nicht auch die nötige Kraft und Gnade zur Ausführung darzureichen! - Wie sehr muß doch der Prophet in der ihm von seinem Weibe zugefügten Schmach und Betrübnis die Gemeinschaft und den Trost seines Gottes erfahren haben! Widerfuhr Gott doch derselbe Schmerz, die gleiche Unehre in unendlich höherem Maß durch Sein abtrünniges Volk, das sich immer völliger dem Dienst fremder Götter hingab! - Wir dürfen aber aus dem Gegenbilde, das uns die Rückkehr Israels zu Jehova, des Volkes völlige Herzenserneuerung und dauernde Wiederherstellung zeigt (V. 5), den Schluß ziehen, daß auch die Gomer nach viel Untreue und Undankbarkeit durch die geduldige Liebe und heilige Zucht ihres Mannes schließlich völlig geheilt wurde von ihren früheren bösen Neigungen und daß sie ihm noch ein dankbares, treues und liebendes Weib geworden ist. - Welch eine Ehre für jeden „Menschen Gottes“, in seinem Teil und in seiner Weise dieselbe suchende, tragende, vergebende Liebe gegen Undankbare und Verkehrte üben und sie „von dem Irrtum ihres Weges zurückführen“ zu dürfen, wie Gott es tut! (Lies Jak. 5,19.20.) Kennen und üben wir etwas von diesem Vorrecht?

Jakobus 5,19.20 -- 19 Liebe Brüder, so jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und jemand bekehrte ihn, 20 der soll wissen, daß, wer den Sünder bekehrt hat von dem Irrtum seines Weges, der hat einer Seele vom Tode geholfen und wird bedecken die Menge der Sünden.
*) Manche Ausleger haben diese Stelle so verstanden, als handle es sich hier um ein anderes Weib. Aber abgesehen davon, daß Gott niemals einem Seiner Knechte gebieten wird, eine Sünde zu tun (Mark. 10,11), würde ja auch der ganze Vergleich mit Gottes Verhalten gegenüber dem untreuen Israel hinfällig werden, wenn es sich nicht hier um das gleiche Weib wie in Kap. 1,2.3 handelte!
Markus 10,11 -- Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe an ihr; / Hosea 1,2.3 -- 2 Da der HERR anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: Gehe hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom HERRN der Hurerei nach. 3 Und er ging hin und nahm Gomer, die Tochter Diblaims, die ward schwanger und gebar ihm einen Sohn.

(Donnerstag 22. Februar 1917)

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