BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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HOSEA

Hosea 2,8-15

8 Darum siehe, ich will deinen Weg mit Dornen vermachen und eine Wand davorziehen, daß sie ihren Steig nicht finden soll; 9 und wenn sie ihren Buhlen nachläuft, daß sie dich nicht ergreifen, und wenn sie dich sucht, sie nicht finden könne und sagen müsse: Ich will wiederum zu meinem vorigen Mann gehen, da mir besser war, denn mir jetzt ist. 10 Denn sie will nicht wissen, daß ich es sei, der ihr gibt Korn, Most und Öl und ihr viel Silber und Gold gegeben hat, das sie haben Baal zu Ehren gebraucht. 11 Darum will ich mein Korn und meinen Most wieder nehmen zu seiner Zeit und ihr meine Wolle und meinen Flachs entziehen, damit sie ihre Blöße bedeckt. 12 Nun will ich ihre Schande aufdecken vor den Augen ihrer Buhlen, und niemand soll sie von meiner Hand erretten. 13 Und ich will ein Ende machen mit allen ihren Freuden, Festen, Neumonden, Sabbaten und allen ihren Feiertagen. 14 Ich will ihre Weinstöcke und Feigenbäume wüst machen, weil sie sagt: "Das ist mein Lohn, den mir meine Buhlen gegeben." Ich will einen Wald daraus machen, daß es die wilden Tiere fressen sollen.15 Also will ich heimsuchen über sie die Tage der Baalim, denen sie Räuchopfer tut und schmückt sich mit Stirnspangen und Halsbändern und läuft ihren Buhlen nach und vergißt mein, spricht der HERR.

Gott kündigt nun dem abtrünnigen Volke an, daß Er es nicht länger so ungehindert in seinen schweren Sünden und Götzendienereien weitergehen lassen wird. Er wird ihm in den Weg treten und ihm Seine äußeren lange belassenen Darreichungen und Wohltaten entziehen, so daß es verwirrt dastehen und einmal nicht mehr aus und ein wissen wird. Die Hilfe, die es verkehrterweise stets bei den Heiden und ihren Götzen gesucht hat, werden diese ihm plötzlich versagen und so wird es schließlich zu der Einsicht kommen, daß im letzten Grunde alle Macht, alle Hilfe und aller Segen ausschließlich in der Hand Jehovas, des allein wahren Gottes, steht, dem es so schnöde den Rücken gekehrt. Gleich dem verlorenen Sohn wird Israel dann endlich ernstlich in sich gehen und eingedenk werden, wieviel besser es daran war, als es Jehova, seinem Gott, anhing und Ihm allein diente. Und seinem innersten Herzen wird sich der Entschluß und das Bekenntnis entringen: „Ich will hingehen und zu meinem ersten Manne zurückkehren, denn damals ging es mir besser als jetzt!“ (Vergl. Luk. 15,11-24.)*)

Lukas 15,11-24 -- 11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut. 13 Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. 14 Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben. 15 Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. 17 Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir 19 und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, 23 und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein! 24 denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.

Es gibt auch heute viel mehr abtrünnige Kinder Gottes, als man meint - Seelen, die einmal durch eine wirkliche Bekehrung in Gottes Familie und Gemeinschaft eintraten, die aber auf innere und äußere Abwege geraten sind durch die Undankbarkeit und Verkehrtheit ihres Herzens. Treulos haben sie dem HERRN den Rücken gekehrt, indem sie in einer besonderen Sünde oder in vielerlei Sündenwegen Ihn verunehren und ihr Herz verhärten. Wieviel Schmerz, Unehre und Mühe bereiten sie dem HERRN, der sie einst um einen so hohen Preis erkaufte und der sie heute noch mit einer so heiligen Liebe liebt! Auch sie müssen es wie Israel erfahren: „Siehe, Ich will deinen Weg mit Dornen verzäunen!“ Spürst du, abtrünniges Kind Gottes, etwas von diesen stechenden Dornen, von diesen Widrigkeiten, Hindernissen und Schmerzen, die du dir durch dein Abweichen vom HERRN - durch die Verkehrtheit deines Herzens und deiner Wege selbst bereitet hast? Fühlst du Gottes Strafe? Stehst du wie vor einer Mauer und weißt nicht aus noch ein? Dann redet unser heutiger Schriftabschnitt zu dir im besonderen! O stehe still, denke einmal an deine Bekehrungszeit zurück, an die Liebe und Herrlichkeit deines Heilandes, die dir damals so groß war! Gehe nicht länger in einer falschen, fleischlichen Sicherheit, in einer nachgemachten, geheuchelten Freude und Frömmigkeit dahin! (V. 11.) Laß heute Gottes Züchtigungen und Mahnungen eine tiefe Reue und Buße in deinem Herzen aufwecken! Brich mit deinen Sünden, verlaß deinen Weg des Ungehorsams und „kehre um zum HERRN, so wird Er Sich deiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn Er ist reich an Vergebung“! (Jes. 55,7.)

Jesaja 55,7 -- Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter seine Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich sein erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.
*) Wer dächte bei diesem Abschnitt nicht an all die Sünde, Gottvergessenheit und Gottlosigkeit unseres Volkes, welches nun von diesem furchtbaren Kriege schon bald drei Jahre lang betroffen wird! Mag derselbe ihm seitens seiner Feinde noch so unbegründet und ungerecht aufgedrängt worden sein - von Gott aus ist er ein schweres Gericht, eine Heimsuchung unserer Gottentfremdung, Gottesleugnung und Gotteslästerung, unserer Genußsucht und Sittenverderbnis, unserer Menschenvergötterung und Selbstverherrlichung, unseres Hochmuts und unserer sonstigen schweren Sünden!

(Mittwoch 14. Februar 1917)

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