BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1935
Juni 1935

Sonntag, den 30. Juni 1935


2. Mose 34,29-35

Wir hören im Evangelium, wie der Herr Jesus gegen Ende Seiner irdischen Laufbahn mit dreien Seiner Jünger den heiligen Berg bestieg. Dort kam, während Er betete, eine wunderbare Verklärung über Ihn: Vor den Augen der Jünger verwandelte sich Sein ganzes Aussehen. Ein unaussprechlicher Glanz, eine wunderbare Herrlichkeit himmlischer Art leuchtete auf Seinem Angesicht und ging von Seiner ganzen Gestalt aus - verklärte Ihn in erhabener Weise. Eine lichte Wolke überschattete Jesus und die Jünger, und aus der Höhe ertönte die Stimme des Vaters: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe! Ihn höret!“ - Während Mose auf dem Berge Sinai verklärt wurde durch die Herrlichkeit, die er anschaute, wurde unser hochgelobter Herr verklärt durch die Herrlichkeit, die Ihm innewohnte! - Diese Verklärung, die ja nur kurze Augenblicke währte, bedeutete einen Vorempfang jener zukünftigen Macht und Herrlichkeit, die den Herrn Jesus bei Seiner öffentlichen Wiederkehr und Weltherrschaft umkleiden wird! (Lies Matth. 16,27; 25,31; [Offenb. 19,11-16].) - Für uns hat unser großer Heiland die Reinigung all unserer Sünden vollbracht: „Durch ein Opfer hat Er auf immerdar vollkommen gemacht, die durch Ihn geheiligt sind!“ Das ist die neue Stellung aller wahren Glaubenden. - Er, der um unserer Sünden willen in Gericht und Tod am Kreuze dahingegeben worden ist - Er ist auferweckt worden zu unserer Rechtfertigung! Er, der unsere Sünden an Seinem eigenen Leibe auf das Holz getragen hat, ist von Gott zur himmlischen Herrlichkeit erhöht und dort auf ewig gekrönt worden. So strahlt uns denn die ganze Herrlichkeit der Gnade und der vollbrachten Erlösung entgegen in dem Angesicht unseres gekrönten Erlösers. [Lies Joh. 1,14; 14,9; Hebr. 1,1-3.] Der Hebräerbrief sagt: „Jesus ist unendlich größerer Herrlichkeit würdig geachtet worden als Mose!“ - An jenem Tage, da der verklärte Mose dem verklärten Retter und Erlöser Israels auf dem heiligen Berge nahen durfte, wurden ihm voll und ganz zwei Bitten erfüllt, zu denen Gott damals in Moses Erdenzeit gesprochen hatte: „Noch nicht!“ - Erstens durfte er hier den Boden des Gelobten Landes betreten, was er sich so sehnlich gewünscht hatte [lies 5. Mos. 3,23-28] und zweitens wurde ihm in ungeahnter Weise und herrlicher Vollkommenheit die andere Bitte erfüllt: „Herr, laß mich doch Dein Angesicht - Deine Herrlichkeit schauen!“ [2. Mos. 33,18.] - Kind Gottes, wenn Gott dich schon lange auf etwas warten läßt, das du dir so sehnIich erflehst, und Er sagt bisher: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“ dann denke an Mose! - Verzögerung ist bei Gott noch lange nicht Ablehnung! Nichterfüllung unserer Bitte ist Verheißung, daß der Herr uns viel mehr geben will, als wir gebeten haben! - Je länger du auf die Offenbarung der Hilfe und Herrlichkeit Gottes wartest, desto Herrlicheres wird dir hernach zuteil! [Lies Joh. 11,40.] - Bei Doktor Patton, einem treuen Diener des Herrn, beklagte sich ein Freund, daß Gott ihn solange nicht erhöre. Er schaute dem Freund in die Augen und sagte: „Hast du je daran gedacht, daß du Gott deine Wechsel präsentierst, bevor sie fällig sind?“ - Abraham hat fünfundzwanzig Jahre gewartet, ehe Gott seine Bitte erhörte; und Gott hat ihm sein Vertrauen zur Gerechtigkeit gerechnet. Die Erhörung war wundervoll! (Lies Hebr. 11,13-16.39.40.) - Mose hat, wie wir sehen, fünfzehnhundert Jahre gewartet, ehe Gott ihm seine beiden höchsten Wünsche erfüllt hat. Es ist wohl die längste Wartezeit, die je jemand ausgehalten hat!

Die Verheißung kann verziehen;
Kommt nicht bald, was Er verspricht,
muß man doch den Zweifel fliehen,
Weil Sein Wort Er niemals bricht.
Ist die rechte Zeit nur da,
So wird alles lauter Ja!
Hat Er es doch so gehalten
Seit dem Anbeginn der Welt;
Seine Wahrheit wird auch walten,
Bis die Welt in Asche fällt.
Spart Er's oft auch weit hinaus,
Es wird doch ein Amen draus!

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