BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1934
Mai 1934

Donnerstag, den 24. Mai 1934


2. Mose 19,1.2

Im dritten Monat nach dem Auszug aus Ägypten kamen die Kinder Israel in die Wüste Sinai (heute Er Rahah). Dieselbe bildet eine weite Ebene, die Raum genug bietet für das Zeltlager eines so großen Volkes, wie es Israel war. Der majestätische Felsenberg Sinai erhebt sich schroff aus der Ebene und bietet kein Hindernis für eine Annäherung. Er ist in der Tat „ein Berg, den man anrühren kann!“ (Lies Hebr. 12,18-21.) Eine niedere Anhöhe ist dem Felsenberg vorgelagert, und der Beschauer möchte ohne weiteres sagen: Gerade hier standen später die Ältesten mit Mose und Josua und schauten die göttliche Herrlichkeit, indem sie aßen und tranken vor dem Herrn. [2. Mos. 24,9-11.] Alles trifft zusammen, unser Staunen zu mehren über die Art, in welcher jeder Vorfall und jeder Ausdruck in der biblischen Erzählung zu diesem Ort paßt! Ein bibelliebender Gelehrter äußert: Es gibt keinen anderen Fleck auf der Erde, wo in merkwürdigerer Weise die Bedingungen sich vereinen, unter welchen sich die Ereignisse von 2. Mos. 19-40 abspielen konnten, wie am Sinai! Ein erhabener Berg und eine riesige Ebene, wo die in 2. Mose 19 beschriebenen Schauspiele und Töne nach allen Seiten eine versammelte Menge von mehr als 2 Millionen erreichen konnten. Daß eine so weite Ebene sich überhaupt vor einem solchen Felsenberg ausbreitet, stimmt klar mit der heiligen Erzählung überein und liefert einen starken Beweis dafür, daß die Gesetzgebung nicht nur hier stattgefunden hat, sondern daß sie uns auch von einem Augenzeugen beschrieben worden ist! Der lange Weg dahin in erhabener Einsamkeit muß eine wunderbar passende Vorbereitung auf die so überaus feierliche Begegnung mit Gott gewesen sein. Der ungeheuer hohe Felsenberg, der wie ein Riesenaltar vor der ganzen Versammlung emporragte und in seiner einsamen Größe von einem Ende der Ebene bis zum anderen sichtbar ist , bildete die Stätte, von welcher aus die Stimme Gottes weit und breit von dem lauschenden Volk gehört werden konnte - weit entfernt von aller Aufregung und Unruhe des alltäglichen Lebens! - Eine kleine Anhöhe wird mit dem Namen: „Hügel Aarons“ bezeichnet, weil hernach bei dem Fest des goldenen Kalbes Aaron jedenfalls von hier aus das Treiben des Volkes geleitet und überblickt hat. [2. Mos. 32,1-6.] - Ein weiterer Umstand bestätigt uns, daß wir hier tatsächlich am Berge der Gesetzgebung stehen. Nach der Beschreibung von 2. Mos. 32,15-19 stieg Mose, nachdem er vierzig Tage und Nächte bei Gott geweilt hatte, hinunter, ohne bei seinem Abstieg das Volk zu sehen! Der wilde Jubel und das Geschrei des Volkes um das Goldene Kalb tönte in das Ohr Josuas, der mit Mose vom Berg herabkam, noch ehe beide die Ursache desselben wahrnehmen konnten. Erst als Mose und Josua nahe an das Lager herankamen, tat sich ihnen plötzlich der Anblick auf das sündige Treiben des Volkes auf, und Mose warf in heiligem Grimm die Tafeln gegen die Felswand, so daß sie in Stücke zerbrachen. - Es ist heute noch so: Wenn man durch die schrägen Hohlwege, die sowohl an der nördlichen als an der südlichen Seite des Berges sind, herunterkommt, so kann man wohl die Töne hören, die einem von der Stille der Ebene entgegen getragen werden, aber sehen kann man die Ebene nicht, bis man aus dem Hohlweg heraustritt und dann unmittelbar am Fuß des steilen Berges steht! - Sodann lesen wir, daß Mose hernach die zu Staub zermalmten Stücke des Goldenen Kalbes in den Bach warf, der vom Berg herabfloß. (2. Mos. 32,20.) - Dies bezieht sich jedenfalls auf den Bach im Wadi Er Rahah. - Die wilde Öde der majestätischen Felsen, der einsamen Schluchten und Täler, verbunden mit den feierlichen und heiligen Erinnerungen, die dieser Stätte anhaften, kann nicht verfehlen, den Beschauer mit Bewunderung und Ehrfurcht zu erfüllen. Dennoch bedrückt die Öde des Horeb die Seele nicht, denn bei dem klaren Himmel, der reinen Luft und der ungestörten Stille dieser Felsengegend ist es uns auch heute noch, als vernähmen wir das stille, sanfte Säuseln - die heilige Stimme unseres Gottes! - Nur eins - ein Gewitter - könnte die Erhabenheit des ganzen Anblicks noch erhöhen! Und was für ein Gewitter war es doch, als am Morgen der Gesetzgebung die Donner rollten, die Blitze zuckten und eine schwere Wolke auf dem Berge lagerte! Überirdischer Posaunenschall ertönte, und beständig mußte das Lärmhorn geblasen werden. - Wir hören, daß das ganze Volk zitterte, als Mose es aus dem Zeltlager heraus Gott entgegenführte bis an den Fuß des Berges. Und nun stieg Gott herab im Feuer, und ein dichter Rauch stieg auf wie der Rauch eines Schmelzofens; und der ganze Berg bebte sehr, während der Posaunenschall fort und fort stärker wurde! (Lies 2. Mos. 19,16-18.) – Das ganze große Gebirge, dessen mächtiger Berg der Sinai ist, heißt Sinaigebirge oder Horeb. Horeb bedeutet: „Trockenheit“. Ausgezeichnet paßt dieser Name für jenes gigantische Felsengebirge auf dessen nackten Spitzen nicht einmal das kleinste Moospflänzlein Feuchtigkeit genug für sein Dasein finden kann.

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