BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1934
Mai 1934

Dienstag, den 22. Mai 1934


2. Mose 18,13-26

Am Tage nach dem Fest kam das Volk mit all seinen Angelegenheiten zu Mose, der als Vater des Volkes schlichtete und richtete! Voll Erstaunen wohnt Jethro einem solchen Arbeitstage seines Schwiegersohnes bei. Wie anstrengend war derselbe! Jethro sagt: „Du wirst bald ganz erschlaffen! Diesen umfassenden und vielseitigen Dienst ganz allein zu tun, das ist einfach zuviel für dich! - Nimm dir doch aus dem Volke gottesfürchtige, treue Männer, und setze sie als Oberste über tausend, Oberste über hundert, Oberste über fünfzig und über zehn. Dann können sie die geringfügigen Dinge ordnen; und was wichtig oder schwierig ist, das können sie vor dich bringen! - Sei du vor allem für das Volk vor Gott und bringe ihre Anliegen vor Ihn! Erläutere ihnen die Satzungen und Gesetze Gottes; tue ihnen den göttlichen Weg kund, auf welchem sie wandeln sollen, und das Werk, das sie tun sollen!“ - Jethro war ein Mann, der vor Gott stand, obwohl im heidnischen Lande lebend. [Vgl. Kap. 2,15-21.] Sein Rat ist ausgezeichnet, und Mose ist demütig genug, denselben zu befolgen, obwohl er bisher seine Weisungen stets unmittelbar von Gott empfangen hatte! - Zehn Jahre früher hätte Mose sich vielleicht für zu „geistlich“ gehalten, auf Jethro zu hören. Aber es ist nur gut, daß Gott diejenigen, welche unbedingt vorwärts streben, in die Demutsschule nimmt! - Je inniger die Bekanntschaft einer Seele mit Gott ist, desto bereitwilliger schenkt sie ihren Mitmenschen liebevoll und aufmerksam Gehör! - Jethros Rat erinnert uns an die Worte, die später der Apostel Paulus seinem Timotheus schrieb: „Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Männern an, welche tüchtig sein werden, auch andere zu lehren.“ Die Last der Arbeit soll auf viele Schultern verteilt werden. Von Gott gesegnete Knechte und Mägde des Herrn sollen sich beizeiten umtun, jüngere Mitgeschwister in den Dienst für Gott hineinzuziehen, damit sie nicht zusammenbrechen unter der wachsenden Arbeit, und damit sie Nachfolger haben, wenn Gott sie einmal abruft! - Gewiß, was wir darin tun können, das sollen und wollen wir tun. Allerdings kann Gott allein das Maß von Gnade und Geist schenken, welches erforderlich ist, wenn die Jüngeren wirklich in die Dienste und Aufgaben hineinwachsen sollen - wenn diese Aufgaben mit Erleuchtung von oben - mit der Kraft und der Liebe des Herrn Jesu erfüllt werden sollen. - Wie kommt es doch auf den geheiligten Charakter an bei allen, die mithelfen in der Sache Gottes! (Lies 2. Thess. 2,13-17; [1. Tim. 3,8-13]!) - Es ist hier die Rede von gottgeschenkter Tüchtigkeit, von Lauterkeit und Treue - von Haß gegen Unrecht und Selbstsucht. - Inwieweit die von Mose eingesetzten Männer im einzelnen und im ganzen diese Tugenden übten und die an sie gestellten Erwartungen rechtfertigten - das wird verschieden gewesen sein. - Manche Ausleger meinen, der Rat Jethros sei ganz und gar nicht von Gott gewesen; diese Ansicht können wir jedoch nicht teilen. Mose hätte sich wirklich auf die Dauer für seine höchsten und wichtigsten Aufgaben unfähig gemacht, wenn er diese Anordnung nicht getroffen hätte. Und wie ungeordnet wäre es wohl im Wüstenlager Israels zugegangen - z. B. auch während jener 40 Tage, die Mose bei Gott auf dem Berge zubrachte, wenn jene gute Einrichtung nicht getroffen worden wäre? - Jethro war ja wirklich bescheiden; er sagt: „Wenn du dies tust - vorausgesetzt, daß Gott es dir so zeigt und gebietet! - so wirst du bestehen können!“ - Auch dieses Erlebnis - dieses Lernen und Annehmen von Jethro - gehört für Mose zu seinem Fortschreiten auf dem Wege der göttlichen Erziehung! Auch dieses bildet ein Glied in der Kette der Ereignisse, welche ihn hinführten zu dem ganz nahen Umgang mit Gottvon Angesicht zu Angesicht“, zu welchem er begnadigt war!

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