BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1934
Mai 1934

Freitag, den 11. Mai 1934


2. Mose 17,8.9

Nachdem Gott das Volk wunderbar erquickt hat mit dem Lebenswasser aus dem Felsen, tritt zum erstenmal in der Wüste ein mächtiges feindliches Heer Israel entgegen - die Amalekiter, Nachkommen Esaus. Dieses kriegerische Nomadenvolk war um diese Zeit zu einer mächtigen Nation erwachsen. Ihr Land befand sich an der Küste des Mittelländischen Meeres, ganz im Norden der Sinai-Halbinsel sich hinstreckend bis zum Philisterlande. Wie die Beduinen noch heutigen Tages zu Anfang des Sommers mit ihren Herden aus den niederen Gegenden, wo das Gras verdorrt, nach dem höheren, südlichen Teil der Halbinsel ziehen, so waren, ohne Zweifel aus demselben Grund, die Amalekiter in die Gegend des Sinai-Gebirges gezogen und hatten hier die zurückgebliebnen Schwachen Israels überfallen. (Lies 5. Mos. 25,17-19.) Diese Grausamkeit Seinem erlösten Volke gegenüber konnte Gott den Amalekitern nie vergessen und sprach zu Josua: „Gedenke daran, daß du das Gedächtnis der Amalekiter gänzlich unter dem Himmel austilgest; vergiß es nicht!“ [Lies 1. Sam. 15,1-3.] - Die Amalekiter sind uns hier eine Darstellung des „Fleisches“, welches allezeit gegen den Geist Gottes gelüstet und streitet und unter den unmittelbaren Einwirkungen des Teufels steht: „Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge! Widerstehet ihm nun standhaft, dem Herrn völlig vertrauend; und denkt daran, daß eure Brüder und Schwestern in der ganzen Welt die gleichen Leiden und Kämpfe zu erdulden haben.“ „Wandelt im Geiste, dann werdet ihr des Fleisches Begehren nicht vollbringen! Denn das Fleisch mit seinem Begehren tritt dem Geiste Gottes feindlich entgegen und ebenso der Geist dem Fleische. Beide liegen im Kampfe miteinander; denn sie sind einander entgegengesetzt und dulden nicht, daß ihr nach eurem freien Willen handelt! Laßt ihr euch aber vom Geiste leiten, so steht ihr nicht unter Gesetz!“ - Unter „Fleisch“ versteht die Schrift das Wesen des gefallenen Menschen, der die Sünde liebt und an sie gebunden ist - der immer gerade das will und tut, was Gott nicht will! - So nennt denn die Bibel alles, was der natürliche, sündige Mensch ist und denkt und tut, empfindet und redet, „fleischlich“. (Lies 1. Mos. 6,3.) - „Im Fleische“ ist er vor Gott - „im Fleische“ wandelt er vor den Menschen; er richtet „nach dem Fleische“ und rühmt sich „nach dem Fleische“! Er kämpft mit fleischlichen Waffen und hat eine fleischliche Weisheit! - Jesus sagt: „Was aus dem Fleische geboren ist, das ist Fleisch, was aber aus dem Geiste geboren ist, das ist Geist.“ (Lies Röm. 7,14.15; 8,5-8.12.13; [Gal. 5,13-25].) Erschütternd ernst ist es, wenn wir vernehmen: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben!“ - „Es sei denn, daß jemand aus Wasser und Geist geboren ist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ „Die aber, welche im Fleische sind, vermögen Gott nicht zu gefallen!“ - Wie wichtig, daß die Gläubigen hierüber zu voller Klarheit gelangen - daß sie erkennen: alles Denken, alles Reden und Tun, das nach dem Sinn des natürlichen Menschen ist, kann vor Gott nicht bestehen! - Als der Prophet Jesaja sich einmal in das helle Licht der Gegenwart Gottes gestellt sah, da brach er den Stab über sich - da rief er aus: „Wehe mir, ich bin verloren! Denn ich bin ein Mensch von unreinen Lippen!“ -Das ist gottgewirkte Selbsterkenntnis: „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft!“ - Erst wenn der Gläubige den Heiligen Geist in sich trägt, von Ihm gesalbt und versiegelt ist und in der vollen Kraft und Freude des Heils steht, ist er imstande, in den eigentlichen sieghaften Kampf einzutreten, welcher uns verordnet ist.

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