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JAHRGANG 1917
September 1917

Sonnabend, den 15. September 1917


Hesekiel 44,25-27

Diese Verse bilden eine Ergänzung zu unserem Gegenstand, daher ziehen wir sie heran. - Die Berührung, ja, schon die Nähe eines Toten galt unter dem Gesetz als Verunreinigung, obwohl es, wie wir sahen, Fälle gab, wo der Priester dieselbe nicht vermeiden konnte. Aber auch dann, wenn ihn keine Schuld traf, hatte er sich zu reinigen! Starb eines seiner nächsten Angehörigen, so hatte der Priester hinterher ein Wasserbad zu nehmen und durfte erst nach sieben Tagen von neuem seinen Dienst im Heiligtum verrichten, nachdem er zuvor ein Sündopfer dargebracht hatte. - So können in dieser bösen Welt Dinge an einen geheiligten Gläubigen herantreten, die einen verunreinigenden Schatten auf seine Seele werfen, ohne daß ihn eine Schuld dafür trifft, und ohne daß er das an ihn Herangetretene in seinem Herzen begünstigt oder weiterwirken läßt, wodurch es ja zu einer wirklichen Schuld für ihn würde! Denken wir z.B. an gemeine Reden, welche andere in der Gegenwart eines gottesfürchtigen Gläubigen trotz seines Einspruchs führen, und welchen er nicht aus dem Wege gehen kann, da seine Pflicht ihn an den Ort bindet! Oder man denke an eine schlechte Handlung anderer, von welcher der Gläubige unerwartet und ungewollt Zeuge wird! – Ein geheiligtes Herz wird auch in solchem Fall deutlich fühlen, daß es, um von neuem frei und froh vor dem Angesicht Gottes zu stehen und Ihm priesterlich dienen zu können, der Reinigung bedarf, obwohl es keine wirkliche Schuld trifft! Diese Reinigung findet es, indem es zu seinem Gott aufblickt und durch ein Wort Seines Mundes von allem Unreinen abgelenkt und über dasselbe hinausgehoben wird. Es wendet sich alsbald innerlich von dem gehörten und geschauten Bösen ab und findet in der Gnade und dem heilenden und heiligenden Worte seines Gottes Entsündigung, Erquickung und neue Kraft! Von dieser lösenden und reinigenden Wirkung des göttlichen Wortes ist das Wasser ein Bild, weshalb in Eph. 5,26 von dem „Wasserbad des Wortes“ oder der „Waschung mit Wasser durch das Wort“ geredet wird. Laßt uns als Priester Gottes fleißigen Gebrauch von diesem Wasser machen!

Das Sündopfer, welches der Priester außerdem für sich darzubringen hatte, ehe er von neuem das Heiligtum betrat, weist hin auf den Opfertod unseres Herrn Jesu Christi. Ihm, unserem Erlöser und Bürgen, legte Gott auf Golgatha nicht nur alles das zur Last, was wir verschuldet haben - auch für unsere nicht persönlich verschuldete, sondern von den Voreltern ererbte Sündhaftigkeit und Empfänglichkeit für das Böse hat Jesus stellvertretend gelitten, so daß Gott uns, die Bekehrten, nicht mehr nicht in unserem natürlichen Stand und Wesen, sondern nur allezeit in Christo anschaut. Daher dürfen wir als Erlöste auf Grund des Opfers Christi immer neu „mit Freimütigkeit eintreten ins Heiligtum“, um unserem Gott zu danken und zu dienen!

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