BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1917
April 1917

Sonntag, den 1. April 1917


Hosea 4,1.2

In diesem neuen Abschnitt wendet sich der Prophet wiederum vor allem an das schon viel tiefer als Juda gesunkene Israel (Zehnstämmereich).*) Gott fordert das siegestrunkene, selbstsichere und von Ihm so weit entfernte Volk feierlich vor Gericht. Die Wahrheit (oder Treue), die Güte (oder Liebe) und die Erkenntnis Gottes ist demselben abhanden gekommen! Gott vermißt im Lande die wahre Gottesfurcht, welche sich in jenen drei Stücken vor allem äußert und welche die einzig dauerhafte Grundlage aller Sittlichkeit und Wohlfahrt eines Volkes bildet. Rückt Unlauterkeit und Betrug an die Stelle der Treue und Wahrheit, verdrängt Habgier und krasse Selbstsucht die Menschenliebe und Güte, und erfüllt hochmütige Selbstherrlichkeit und das Vertrauen auf eigene Stärke die Herzen, anstatt Gotteserkenntnis und demütiger Beugung vor Seinem heiligen Wort, so ist der Verfall eines Volkes besiegelt, wenn er auch noch nicht gleich voll und ganz in die Erscheinung tritt! - In Vers 2 nennt der das Volk liebende und über dessen Abfall tief gebeugte Prophet die einzelnen Sündenformen, welche das Volksleben Israels immer völliger beherrschten. - Gott will uns durch Sein heiliges Wort sehende Augen geben, daß wir erkennen, wie die in Vers 1 genannten hohen Güter auch unserem Volke in weitgehendem Maße abhanden gekommen sind und die in Vers 2 angeführten Sünden immer mehr überhand nehmen, auch jetzt in der Kriegszeit! Die wahre göttliche Liebe macht ja nicht blind, sondern gerade sehend für solche tiefliegende Schäden und treibt uns zu aufrichtiger Demütigung und ernstem Flehen für unser irdisches Volk und Vaterland. Wollen wir als Kinder Gottes inmitten desselben ein Segen sein, so ist es um so dringender für uns, in unserem persönlichen, häuslichen und geschäftlichen Leben echte tiefe Gottesfurcht zu pflegen. Es gilt, in unserer Gesinnung und in unserem täglichen Wandel jene kostbaren und unerläßlichen Eigenschaften zu üben: Wahrheit verbunden mit Treue und Gewissenhaftigkeit in kleinen wie in großen Dingen, und Güte, welche sich in praktischer Ausübung der Liebe und der Barmherzigkeit zeigt. (Lies 1. Tim. 5,4-8; 1. Joh. 3,17.) Vor allem sollen wir die „Erkenntnis Gottes“ unter uns fördern, aus welcher allein die vorgenannten Tugenden hervorgehen können. Es handelt sich in keiner Weise um Anhäufung von Verstandeswissen in göttlichen Dingen, sondern um lautere Herzenserkenntnis unseres Gottes, geschöpft aus Seinem Wort und aus innigem Gebetsumgang mit Ihm - um die praktische Anerkennung Gottes und Seiner heiligen Rechte und Ansprüche auf uns. Da ist es begreiflicherweise von der höchsten Bedeutung für jeden Gläubigen, daß er sich reinige von den kleinsten Anfängen und Spuren jener in Vers 2 genannten Sünden, welche eine so verderbliche Wirkung haben!

*) Die lange und äußerlich glänzende Regierungszeit Jerobeams II. (814-773 v. Chr.) hatte das Reich Israel, nachdem es durch Jehu und Joahas an den Rand des Unterganges gekommen war, wieder auf eine Stufe der Macht und Größe gehoben, welche an die Zeiten Davids und Salomos erinnerte. Jerobeam brachte nicht nur die durch feindliche Einfälle geraubten Landesgebiete an Israel zurück, sondern machte weitere Eroberungen - nach Norden bis zum Euphrat, nach Süden bis über das Tote Meer hinaus. (2. Kön. 14,23-29.) In den Augen Gottes aber wurde all dieser Glanz und Ruhm verdunkelt durch das Überhandnehmen der Gottlosigkeit und Sünde im Lande. Deshalb muß Hosea Gottes Gericht ankündigen, sowohl dem Volke, als der Priesterschaft und dem königlichen Hause!

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