BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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Startseite -- Bücher AT -- 2. Mose -- 443 (Das glänzende Angesicht des Mose und die Decke, die er davor hängte fürs Volk )
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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
F. Das goldene Kalb und Moses Umgang mit Gott (2. Mose 32-34)

23. Das glänzende Angesicht des Mose und die Decke, die er davor hängte fürs Volk (2. Mose 34,29-35)


2. Mose 34,29-32

29 Da nun Mose vom Berge Sinai ging, hatte er die zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand und wußte nicht, daß die Haut seines Angesichts glänzte davon, daß er mit ihm geredet hatte. 30 Und da Aaron und alle Kinder Israel sahen, daß die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, zu ihm zu nahen. 31 Da rief sie Mose; und sie wandten sich zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde; und er redete mit ihnen. 32 Darnach nahten alle Kinder Israel zu ihm. Und er gebot ihnen alles, was der HERR mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai.

Was Mose durch seine Fürbitte für Israel erwirkt hatte, war ja noch nicht unvermischte Gnade! Es ist immer noch das Gesetz, unter das Israel auch fernerhin gestellt wird, wenn Gott Sich auch um Moses willen ihnen als der Barmherzige und Gnädige erwies, der langsam ist zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit. Daher war der Glanz jener Offenbarung, die Mose auf dem Berge empfangen hatte, noch durchaus erschreckend für Sünder! Ja, Moses Dienst war und bIieb der Dienst des Gesetzes und daher ein Dienst, der Tod und Verdammnis für alle unerneuerten Herzen mit sich führte. [Lies Gal. 3,23-28.]

Galater 3,23-28 -- 23 Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbart werden. 24 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. 25 Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. 26 Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum. 27 Denn wieviel euer auf Christum getauft sind, die haben Christum angezogen. 28 Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu.

In 2. Kor. 3,7-18 zieht der Apostel Paulus einen Vergleich zwischen dem alttestamentlichen Dienst und dem Dienst des herrlichen Evangeliums, der Botschaft von einem auferstandenen und gekrönten Heiland, der eine volle Erlösung gebracht hat - ewige Gnade und Herrlichkeit schon jetzt schenkt!

2. Korinther 3,7-18 -- 7 So aber das Amt, das durch die Buchstaben tötet und in die Steine gebildet war, Klarheit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mose's um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch aufhört, 8 wie sollte nicht viel mehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben! 9 Denn so das Amt, das die Verdammnis predigt, Klarheit hat, wie viel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, überschwengliche Klarheit. 10 Denn auch jenes Teil, das verklärt war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen die überschwengliche Klarheit. 11 Denn so das Klarheit hatte, das da aufhört, wie viel mehr wird das Klarheit haben, das da bleibt. 12 Dieweil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Freudigkeit 13 und tun nicht wie Mose, der die Decke vor sein Angesicht hing, daß die Kinder Israel nicht ansehen konnten das Ende des, das aufhört; 14 sondern ihre Sinne sind verstockt. Denn bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem alten Testament, wenn sie es lesen, welche in Christo aufhört; 15 aber bis auf den heutigen Tag, wenn Mose gelesen wird, hängt die Decke vor ihrem Herzen. 16 Wenn es aber sich bekehrte zu dem HERRN, so würde die Decke abgetan. 17 Denn der HERR ist der Geist; wo aber der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit. 18 Nun aber spiegelt sich in uns allen des HERRN Klarheit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in dasselbe Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom HERRN, der der Geist ist.

Paulus knüpft an an den Glanz der Herrlichkeit, welcher hier von Moses Angesicht ausging und spricht: „Wenn sogar der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Stein eingegraben, mit Herrlichkeit begann, so daß die Söhne Israels das Angesicht Moses nicht unverwandt anschauen konnten wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die doch schnell verschwinden sollte - mit wieviel größerer Herrlichkeit wird der Dienst des Geistes bestehen! - Denn wenn schon der Dienst, der noch Verdammnis verkündigen mußte, herrlich war, so ist der Dienst der heilbringenden Gerechtigkeit Gottes, wie er im Evangelium uns nahetritt, von überschwenglicher Herrlichkeit!“ Ja, wir alle, die wir durch das vollbrachte Erlösungswerk Christi auf ewig Gott nahegebracht sind, dürfen mit aufgedecktem Angesicht, ohne Hülle und ohne Hindernis, die Herrlichkeit Gottes im Angesicht unseres zum Himmel erhöhten Erlösers anschauen - uns an ihr erquicken. Und die Folge ist, daß wir in Sein Bild Schritt für Schritt umgestaltet werden: eine Herrlichkeit nach der anderen wird uns aufgeprägt durch die Wirksamkeit des Geistes Gottes. Deshalb bewegen wir uns auch in heiliger Kindlichkeit und Freiheit vor Gott - vorausgesetzt, daß wir wirklich Gebrauch machen von den uns geschenkten Vorrechten, wie auch von den Kräften zur praktischen Heiligung! [Lies Hebr. 2,9-12; 4,14-16,]

Hebräer 2,9-12 -- 9 Den aber, der eine kleine Zeit niedriger gewesen ist als die Engel, Jesum, sehen wir durchs Leiden des Todes gekrönt mit Preis und Ehre, auf daß er von Gottes Gnaden für alle den Tod schmeckte. 10 Denn es ziemte dem, um deswillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, der da viel Kinder hat zur Herrlichkeit geführt, daß er den Herzog der Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. 11 Sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden. Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, 12 und spricht: "Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen." / Hebräer 4,14-16 -- 14 Dieweil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist, so lasset uns halten an dem Bekenntnis. 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unsern Schwachheiten, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde. 16 Darum laßt uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird.

Mose trug das unabänderliche, heilige Gesetz Gottes in seinen Händen, als er vom Berge kam. Doch er selbst - weil er Gott unaussprechlich nahe stand und „in das herrliche Gesetz der Freiheit nahe hineinschaute“ - besaß eine Innigkeit der Gemeinschaft mit Gott, die einen weiten Abstand bewirkte zwischen ihm und dem von ihm so sehr geliebten Volke Israel. So überirdisch war der Glanz, der von ihm ausging, daß sowohl Aaron als das Volk sich fürchtete, ihm zu nahen! Er mußte sie erst zu sich herrufen und ihnen zureden, ehe er ihnen die Begnadigung kundtun konnte, die er ihnen bei Gott erwirkt hatte! - Durch den ganz vertrauten Umgang mit Gott wird der Knecht Gottes unbewußt, jedoch auch unvermeidlich, seinen Mitmenschen verhüllt und allem Irdischen mehr oder weniger entrückt - verhüllt zuweilen auch unter der Decke eines ganz alltäglichen Lebens, so daß das Wort zur Geltung kommt: „Als die Unbekannten und doch bekannt - als Sterbende, und siehe, wir leben! - Allezeit tragen wir das Sterben Jesu am Leibe umher, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Leibe offenbar werde! Denn wir tragen diesen Schatz der nahen Gemeinschaft mit Gott in irdenen Gefäßen, so daß die übermächtige Kraft Gott zugeschrieben werden muß und nicht von uns stammt!“

(Freitag, 28. Juni 1935)

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Zuletzt geändert am 30.04.2018 14:53 Uhr | powered by PmWiki (pmwiki-2.2.109)