BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
F. Das goldene Kalb und Moses Umgang mit Gott (2. Mose 32-34)

1. Aaron folgt dem Wunsch des Volkes und fertigt ein goldenes Kalb an zur Anbetung (2. Mose 32,1-6)


2. Mose 32,5-6

5 Da das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: Morgen ist des HERRN Fest. 6 Und sie standen des Morgens früh auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer. Darnach setzte sich das Volk, zu essen und zu trinken, und standen auf zu spielen.

„Und als Aaron es sah, baute er einen Altar vor dem Kalbe.“ - Aarons Tun ist unbegreiflich, unverzeihlich. Die Schrift sagt: „Wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben. (Man denke an den geistlichen Entwicklungsgang des Mose!) Wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben scheint, genommen werden! (Das ist Aaron!)“ - Wenn an die Stelle göttlicher Offenbarung menschliche Anordnungen gesetzt werden - an die Stelle der Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit eine menschliche Religion - dann strömt Irrtum und Finsternis wie eine schwarze Flut da herein, wo vorher göttliches Licht leuchtete! (Lies Kol. 2,1 - 3,4: siehe vorletzte Umschlagseite unseres Heftes!)

Kolosser 2,1-3,4 -- 1 Ich lasse euch aber wissen, welch einen Kampf ich habe um euch und um die zu Laodizea und alle, die meine Person im Fleisch nicht gesehen haben, 2 auf daß ihre Herzen ermahnt und zusammengefaßt werden in der Liebe und zu allem Reichtum des gewissen Verständnisses, zu erkennen das Geheimnis Gottes, des Vaters und Christi, 3 in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. 4 Ich sage aber davon, auf daß euch niemand betrüge mit unvernünftigen Reden. 5 Denn ob ich wohl nach dem Fleisch nicht da bin, so bin ich doch im Geist bei euch, freue mich und sehe eure Ordnung und euren festen Glauben an Christum. 6 Wie ihr nun angenommen habt den HERRN Christus Jesus, so wandelt in ihm 7 und seid gewurzelt und erbaut in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt seid, und seid in demselben reichlich dankbar. 8 Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, 10 und ihr seid vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstentümer und Obrigkeiten; 11 in welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, 12 indem ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, welcher ihn auferweckt hat von den Toten. 13 Und er hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, da ihr tot waret in den Sünden und in eurem unbeschnittenen Fleisch; und hat uns geschenkt alle Sünden 14 und ausgetilgt die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzungen entstand und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel getan und an das Kreuz geheftet; 15 und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie schaugetragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst. 16 So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate; 17 welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war; aber der Körper selbst ist in Christo. 18 Laßt euch niemand das Ziel verrücken, der nach eigener Wahl einhergeht in Demut und Geistlichkeit der Engel, davon er nie etwas gesehen hat, und ist ohne Ursache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn 19 und hält sich nicht an dem Haupt, aus welchem der ganze Leib durch Gelenke und Fugen Handreichung empfängt und zusammengehalten wird und also wächst zur göttlichen Größe. 20 So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo den Satzungen der Welt, was lasset ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? 21 "Du sollst", sagen sie, "das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren", 22 was sich doch alles unter den Händen verzehrt; es sind der Menschen Gebote und Lehren welche haben einen Schein der Weisheit durch selbst erwählte Geistlichkeit und Demut und dadurch, daß sie des Leibes nicht schonen und dem Fleisch nicht seine Ehre tun zu seiner Notdurft. Kolosser - Kapitel 3 : 1 Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. 3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. 4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.

Was muß es für das Herz Gottes gewesen sein, als Aaron, nachdem er vor dem Kalb einen Altar gebaut hatte, zu allem hin ankündigte: „Morgen ist ein Fest für den Herrn!!“ - Der heilige und hehre Name des lebendigen Gottes, welcher Geist ist und im Geiste angebetet sein will - in Verbindung gebracht mit dem schmählichen Kälberdienst Ägyptens! - In Jesaja 1 ruft der Herr aus: „In welch furchtbarer Weise ist doch die treue Stadt zur Ehebrecherin geworden - Zion, das einst eine Stadt der Gerechtigkeit war! - Dein edles Silber ist zu Schlacken geworden - dein reiner Wein mit Wasser verschnitten! - Höret es, ihr Himmel, und horche auf, du Erde, was der Herr sagen muß: Kinder habe Ich Mir großgezogen und sie zu Ehren gebracht, und sie sind von Mir abgefallen! - Ein Ochse kennt seinen Besitzer, und ein Esel weiß die Krippe seines Herrn; aber Israel hat keine Erkenntnis - Mein Volk ist ohne jede Einsicht, ohne jedes Verständnis! - Wehe diesem sündigen Geschlecht, diesem mit Unrecht belasteten Volke, dieser Brut von Missetätern, diesen entarteten Kindern: Den Herrn haben sie verlassen, den Heiligen Israels verschmäht und verworfen; abtrünnig sind sie geworden!“ - „Und sie standen des folgenden Tages frühe auf und opferten Brandopfer und brachten Friedensopfer.“ Es ist merkwürdig, daß eine falsche Religion durch ihre Lockmittel mit Leichtigkeit die Menschen zum frühen Aufstehen bringt - wie ja auch der Mensch sich leicht und früh von seinem Bette trennt, wenn es ein Vergnügen gilt! - Wie schwerlich dagegen bringen es die meisten Gotteskinder fertig, des Morgens regelmäßig früh aufzustehen, um eine Begegnung mit ihrem Gott zu haben, ehe sie das Angesicht eines Menschen sehen! - Da muß man schon ein Abraham oder ein Mose an Hingebung, Gehorsam und Freude an Gott sein. Von dem einen wie von dem anderen hören wir: „Er stand des Morgens frühe auf“, weil es galt, Gott zu begegnen und Seinen Willen zur Ausführung zu bringen! [1. Mos. 22,3; 2. Mos. 24,4; 34,4.]

1. Mose 22,3 -- Da stand Abraham des Morgens früh auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging an den Ort, davon ihm Gott gesagt hatte. / 2. Mose 24,4 -- Da schrieb Mose alle Worte des HERRN und machte sich des Morgens früh auf und baute einen Altar unten am Berge mit zwölf Säulen nach den zwölf Stämmen Israels / 2. Mose 34,4 -- Und Mose hieb zwei steinerne Tafeln, wie die ersten waren, und stand des Morgens früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der HERR geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand.

„Gott, Du bist mein Gott! Frühe suche ich Dich. Es dürstet nach Dir meine Seele; nach Dir schmachtet mein Leib wie dürres und schmachtendes Land, das kein Wasser hat. So wie ich Dich einst geschaut habe im Heiligtum, so laß mich jetzt Deine Macht und Herrlichkeit erblicken! Denn Deine Gnade ist mehr als das leibliche Leben; deshalb sollen meine Lippen Dich loben, wenn Du mich erhörst. Ja, preisen will ich Dich dann mein Leben lang und stets meine Hände und mein Herz zu Dir erheben! - Wie von Mark und Fett gesättigt wird dann meine Seele sein, und mit jubelnden Lippen lobsingt mein Mund, wenn ich Deiner gedenke auf meinem Lager, und über Dich sinne in den Stunden der Nacht. Denn Du bist meine Hilfe geworden, und im Schatten Deiner Flügel juble ich. Meine ganze Seele hängt an Dir, mein Gott, und es hält mich aufrecht Deine rechte Hand!“ [Ps. 63,1-8 (Luth. 2-9).]

Psalm 63,2-9 -- 2 Gott, du bist mein Gott; frühe wache ich zu dir. Es dürstet meine Seele nach dir; mein Fleisch verlangt nach dir in einem trockenen und dürren Land, wo kein Wasser ist. 3 Daselbst sehe ich nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne schauen deine Macht und Ehre. 4 Denn deine Güte ist besser denn Leben; meine Lippen preisen dich. 5 Daselbst wollte ich dich gerne loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. 6 Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte. 7 Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. 9 Meine Seele hanget dir an; deine rechte Hand erhält mich.

(Samstag, 30. März 1935)

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