DER TITUSBRIEF
Titus 3,9-15
9 Der törichten Fragen aber, der Geschlechtsregister, des Zankes und Streites über das Gesetz entschlage dich; denn sie sind unnütz und eitel. 10 Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermals ermahnt ist, 11 und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, als der sich selbst verurteilt hat. 12 Wenn ich zu dir senden werde Artemas oder Tychikus, so komm eilend zu mir gen Nikopolis; denn daselbst habe ich beschlossen den Winter zu bleiben. 13 Zenas, den Schriftgelehrten, und Apollos fertige ab mit Fleiß, auf daß ihnen nichts gebreche. 14 Laß aber auch die Unsern lernen, daß sie im Stand guter Werke sich finden lassen, wo man ihrer bedarf, auf daß sie nicht unfruchtbar seien. 15 Es grüßen dich alle, die mit mir sind. Grüße alle, die uns lieben im Glauben. Die Gnade sei mit euch allen! Amen.
Apostelgeschichte 20,17-38
17 Aber von Milet sandte er gen Ephesus und ließ fordern die Ältesten von der Gemeinde. 18 Als aber die zu ihm kamen, sprach er zu ihnen: Ihr wisset, von dem Tage an, da ich bin nach Asien gekommen, wie ich allezeit bin bei euch gewesen 19 und dem HERRN gedient habe mit aller Demut und mit viel Tränen und Anfechtung, die mir sind widerfahren von den Juden, so mir nachstellten; 20 wie ich nichts verhalten habe, das da nützlich ist, daß ich's euch nicht verkündigt hätte und euch gelehrt, öffentlich und sonderlich; 21 und habe bezeugt, beiden, den Juden und Griechen, die Buße zu Gott und den Glauben an unsern HERRN Jesus Christus. 22 Und nun siehe, ich, im Geiste gebunden, fahre hin gen Jerusalem, weiß nicht, was mir daselbst begegnen wird, 23 nur daß der heilige Geist in allen Städten bezeugt und spricht, Bande und Trübsal warten mein daselbst. 24 Aber ich achte der keines, ich halte mein Leben auch nicht selbst teuer, auf daß ich vollende meinen Lauf mit Freuden und das Amt, das ich empfangen habe von dem HERRN Jesus, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes. 25 Und nun siehe, ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, alle die, bei welchen ich durchgekommen bin und gepredigt habe das Reich Gottes. 26 Darum bezeuge ich euch an diesem heutigen Tage, daß ich rein bin von aller Blut; 27 denn ich habe euch nichts verhalten, daß ich nicht verkündigt hätte all den Rat Gottes. 28 So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, unter welche euch der heilige Geist gesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat. 29 Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die die Herde nicht verschonen werden. 30 Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen. 31 Darum seid wach und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen jeglichen mit Tränen zu vermahnen. 32 Und nun, liebe Brüder, ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden. 33 Ich habe euer keines Silber noch Gold noch Kleid begehrt. 34 Denn ihr wisset selber, daß mir diese Hände zu meiner Notdurft und derer, die mit mir gewesen sind, gedient haben. 35 Ich habe es euch alles gezeigt, daß man also arbeiten müsse und die Schwachen aufnehmen und gedenken an das Wort des HERRN Jesus, daß er gesagt hat: "Geben ist seliger denn Nehmen!" 36 Und als er solches gesagt, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. 37 Es war aber viel Weinen unter ihnen allen, und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn, 38 am allermeisten betrübt über das Wort, das er sagte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen; und geleiteten ihn in das Schiff.
Ein „sektiererischer Mensch“ ist ein solcher, der „verkehrte Dinge redet“. Um aber erkennen zu können, was auf religiösem Gebiet verkehrt ist, muß man in und mit und nach der Bibel leben! Eine gründliche Vertrautheit mit dem Geist und dem Wortlaut der Heiligen Schrift ist notwendig, wenn wir in allen Fällen Irrtum und Wahrheit unterscheiden wollen. Der „Lolch“ (Unkraut) ist dem „Weizen“ sehr ähnlich! [Lies Matth. 13,24-30; 1. Joh. 2,18-28.]
Verführer ziehen die Seelen stets „hinter sich her“. Solche, „verderblichen Wölfe“ haben es stets auf die wahre „Herde Christi“ abgesehen! Sie zu schädigen, ist immer des Teufels Absicht. Wie sollen wir uns nun gegen Irrtum und Verführung schützen? Kopferkenntnis - angesammeltes Wissen geistlicher Wahrheiten schützt in keiner Weise vor Verführung! Den Korinthern mußte Paulus trotz ihrer vermeintlich hohen Erkenntnis den Vorwurf machen: „Wenn einer kommt und einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben (d. h. den Herrn Jesus ganz anders darstellt, als die Schrift Ihn uns zeigt!) oder ihr einen anderen Geist empfanget, als ihr empfangen habt oder ein anderes Evangelium, als wie ihr es angenommen habt, so ertrüget ihr es gut!“ Ihr würdet es gar nicht merken, daß ihr betrogen und irregeleitet werdet! Es fehlt euch an der nahen inneren Gemeinschaft mit Gott! Es fehlt euch trotz all eurer vermeintlichen Schriftkenntnis an dem gesunden Unterscheidungsvermögen, das Kinder Gottes haben sollten! Denselben Vorwurf muß man den allermeisten Gläubigen unserer Tage machen! [Lies 2. Kor. 11,1-20!]
Die „falschen Brüder“ haben oft eine bezaubernde Macht über die Seelen - selbst über Kinder Gottes, wenn sie nicht geheiligt und wirklich fest gegründet sind in der Schrift! (Lies Gal. 1,6-9; 3,1-5.)
Es ist auffallend, wie schnell auch Gläubige sich beeinflussen und verwirren lassen durch törichtes religiöses Geschwätz - wie leicht sie sich andererseits aufbringen lassen gegen ihre bewährten gottgegebenen Führer, durch „Menschen, welche den Heiligen Geist nicht haben“!
Paulus ruft im Galaterbrief aus: „Wer euch verwirrt, der wird sein Strafurteil zu tragen haben, wer er auch sei! (Diese jüdischen Prediger waren oft sehr angesehene Leute!) Ich wollte, daß sie sich selbst abschnitten (Anspielung auf die von ihnen gepredigte Beschneidung!), die euch aufwiegeln!“ - Wir sehen also, wie dringend erforderlich es in dieser letzten, schweren Zeit ist, daß wir - jeder einzelne! - in der Schrift gegründete, mit Jesus lebende, geheiligte Menschen Gottes seien - daß wir auch einander helfen näher zu Jesus hin, und daß wir füreinander und für die ganze Gemeinde Gottes auf Erden Fürbitte üben!
(Donnerstag, den 28. Oktober 1926)