BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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DER TITUSBRIEF


Titus 1,6-9

6 wo einer ist untadelig, eines Weibes Mann, der gläubige Kinder habe, nicht berüchtigt, daß sie Schwelger und ungehorsam sind. 7 Denn ein Bischof soll untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigensinnig, nicht zornig, nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben; 8 sondern gastfrei, gütig, züchtig, gerecht, heilig, keusch, 9 und haltend ob dem Wort, das gewiß ist, und lehrhaft, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher.

Lukas 12,42-48

42 Der HERR aber sprach: Wie ein großes Ding ist's um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, daß er ihnen zur rechten Zeit ihre Gebühr gebe! 43 Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet tun also, wenn er kommt. 44 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. 45 So aber der Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzieht zu kommen, und fängt an, zu schlagen die Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen: 46 so wird des Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen. 47 Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen. 48 Der es aber nicht weiß, hat aber getan, was der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.

Zum zweiten Male begegnet uns in V. 7 das Wort „untadelig“. Das erstemal (V. 6) handelt es sich um die Erwählung und Bestimmung zum Aufseher. Es mußte ein untadeliger Mann sein, den man für diesen hohen Dienst ins Auge faßte. Stand er nun in demselben, so war es natürlich durchaus erforderlich, daß er als Gottes Verwalter untadelig voranging und zunahm an Gunst bei Gott und Menschen! (Lies 1. Sam. 2,26; 3,19 - 4,1; Luk. 2,52.)

1. Samuel 2,26 -- Aber der Knabe Samuel nahm immermehr zu und war angenehm bei dem HERRN und bei den Menschen. / 1. Samuel 3,19 - 4,1 -- 19 Samuel aber nahm zu, und der HERR war mit ihm, und fiel keines unter allen seinen Worten auf die Erde. 20 Und ganz Israel von Dan an bis gen Beer-Seba erkannte, daß Samuel ein treuer Prophet des HERRN war. 21 Und der HERR erschien hinfort zu Silo; denn der HERR war durch Samuel offenbart worden zu Silo durchs Wort des HERRN. Und Samuel fing an zu predigen dem ganzen Israel. KAPITEL 4 1Israel aber zog aus, den Philistern entgegen, in den Streit, und lagerten sich bei Eben-Ezer. Die Philister aber hatten sich gelagert zu Aphek. / Lukas 2,52 -- Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Ja, Gottes Verwalter soll der Älteste sein - ein Haushalter über Gottes in der Heiligen Schrift niedergelegte Geheimnisse: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu wissen!“ (Vgl. Ps. 25,14; Spr. 3,32.)

Psalm 25,14 -- Das Geheimnis des HERRN ist unter denen, die ihn fürchten; und seinen Bund läßt er sie wissen. / Sprüche 3,32 -- denn der HERR hat Greuel an dem Abtrünnigen, und sein Geheimnis ist bei den Frommen.

Ein rechter Hirte, dessen Lippen andere weiden sollen, muß ein demütiger, gründlicher Schriftforscher sein und bleiben, damit er wirklich „unterrichtet“ sei und aus seinem Schatze nicht nur Altes, sondern auch Neues hervorholen könne zur inneren Förderung seiner Glaubensgeschwister: „Bedenke dieses (die göttlichen Dinge) sorgfältig! Lebe darin, auf daß deine Fortschritte allen offenbar werden!“ [Lies Spr. 10,21; Matth. 13,51.52; 1. Tim. 4,12-16.]

Sprüche 10,21 -- Des Gerechten Lippen weiden viele; aber die Narren werden an ihrer Torheit sterben. / Matthäus 13,51.52 -- 51 Und Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr das alles verstanden? Sie sprachen: Ja, HERR. 52 Da sprach er: Darum ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt. / 1. Timotheus 4,12-16 -- 12 Niemand verachte deine Jugend; sondern sei ein Vorbild den Gläubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit. 13 Halte an mit Lesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme. 14 Laß nicht aus der Acht die Gabe, die dir gegeben ist durch die Weissagung mit Handauflegung der Ältesten. 15 Dessen warte, gehe damit um, auf daß dein Zunehmen in allen Dingen offenbar sei. 16 Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken. Denn wo du solches tust, wirst du dich selbst selig machen und die dich hören.

Es ist eine Schande und ein großes Unrecht an den Hörern, wenn ein Diener am Wort immer wieder über die gleichen Texte spricht, keine neuen Erkenntnisse sich aneignet, immer die gleichen Dinge sagt und sich nicht vermehrte Erleuchtung von oben schenken läßt - wenn man ihm nicht vertiefte Heiligung in Wesen und Wandel abspürt! „Wenn jemand redet, so sei es wie Aussprüche Gottes! Wenn jemand dient, so geschehe es aus der Kraft, die Gott darreicht, auf daß in allem Gott verherrlicht werde durch Jesum Christum! Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Ja, es ist „ein schönes Werk“, ein kostbarer Dienst, für die Seelen Sorge zu tragen, in Liebe ein wachsames Auge auf den Wandel jedes einzelnen der Schäflein des Herrn zu haben, sie zu hüten und zu pflegen. (1. Tim. 3,1.)

1. Timotheus 3,1 -- Das ist gewißlich wahr: So jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstlich Werk.

Aufseherdienste sind Hirtendienste, zu welchen Lauterkeit des Herzens und viel Gnade und Weisheit von oben gehört. [Ps. 78,70-72.]

Psalm 78,70-72 -- 70 Und erwählte seinen Knecht David und nahm ihn von den Schafställen. 71 von den säugenden Schafen holte er ihn, daß er sein Volk Jakob weiden sollte und sein Erbe Israel. 72 Und er weidete sie auch mit aller Treue und regierte mit allem Fleiß.

Wieviel liegt unserem großen Erzhirten daran, treue Männer und Frauen unter Seinem Volke zu finden, denen Er das Teuerste und Wertvollste anvertrauen kann, das Sein Herz besitzt: Seine mit Seinem eigenen Blut Erkauften! -

(Montag, den 20. September 1926)

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