BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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DER TITUSBRIEF


Titus 1,1

Paulus, ein Knecht Gottes und ein Apostel Jesu Christi, nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und der Erkenntnis der Wahrheit zur Gottseligkeit,

Unter den Mitarbeitern des Apostels Paulus stand nach Timotheus Titus ihm am nächsten. Von Geburt ein Grieche, wurde Titus durch Paulus bekehrt [Tit. 1,4] und bald sein Mitarbeiter.

Titus 1,4 -- dem Titus, meinem rechtschaffenen Sohn nach unser beider Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und dem HERRN Jesus Christus, unserm Heiland!

Im Frühjahr 52 brachte der Apostel ihn mit nach Jerusalem. Die Gesetzeseiferer unter den dortigen Christen verlangten, daß Titus beschnitten würde, aber Paulus gab ihnen nicht nach, denn Titus sollte ein lebendiger Beweis für die Freiheit des Evangeliums sein! [Gal. 2,3.]

Galater 2,3 -- Aber es ward auch Titus nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen, der mit mir war, obwohl er ein Grieche war.

Zweimal sandte Paulus den Titus nach Korinth, einmal von Ephesus - das zweitemal von Mazedonien aus, als er den zweiten Korintherbrief mitnahm. [Vgl. 2. Kor. 8,24.]

2. Korinther 8,24 -- Erzeiget nun die Beweisung eurer Liebe und unsers Rühmens von euch an diesen auch öffentlich vor den Gemeinden!

Nach seiner ersten römischen Gefangenschaft (Frühjahr 63) kam Paulus mit Titus auch nach Kreta, um den Bewohnern dieser großen Insel des Mittelländischen Meeres das Evangelium zu bringen. Kreta hatte damals 90-100 Städte. Wahrscheinlich gab es schon seit der Ausgießung des Heiligen Geistes eine ganze Schar Nachfolger Christi auf dieser Insel. [Apgesch. 2,11.]

Apostelgeschichte 2,11 -- Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unsern Zungen die großen Taten Gottes reden.

Jedenfalls bekehrte sich auch jetzt eine große Zahl von Seelen und Paulus ließ den Titus dort, um die Geretteten zu befestigen im neuen Leben und ihnen an den verschiedenen Orten Gemeindeordnungen zu geben. - Nach Kreta ist auch dieser Brief - wohl im Jahre 65 - gerichtet, welcher Titus Stärkung und mancherlei Anweisungen bot für seinen dortigen Dienst! - Später wurde er dort abgelöst, damit er zu Paulus nach Nikopolis (Westküste von Griechenland) kommen könnte. Im Jahre 66 etwa, kurz vor seinem Märtyrertode, sandte Paulus Titus im Dienst des Evangeliums nach Dalmatien (Küstenland im Osten des Adriatischen Meeres, zu jener Zeit römische Provinz). [2. Tim. 4,10.]

2. Timotheus 4,10 -- Denn Demas hat mich verlassen und hat diese Welt liebgewonnen und ist gen Thessalonich gezogen, Kreszens nach Galatien, Titus nach Dalmatien.

Die Kirchengeschichte berichtet uns, daß er im Alter von 95 Jahren als Vorsteher der kretischen Gemeinden gestorben sei.

Inhaltsangabe dieses Briefes: Kap. 1, V. 1-5: Paulus, freudig gewiß des eigenen hohen Auftrages, begrüßt Titus und gibt den Hauptzweck seines Dienstes an; er soll in den noch jungen Christengemeinden der Insel Kreta Älteste erwählen und anstellen.

Titus 1,1-5 -- 1 Paulus, ein Knecht Gottes und ein Apostel Jesu Christi, nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und der Erkenntnis der Wahrheit zur Gottseligkeit, 2 auf Hoffnung des ewigen Lebens, welches verheißen hat, der nicht lügt, Gott, vor den Zeiten der Welt, 3 aber zu seiner Zeit hat er offenbart sein Wort durch die Predigt, die mir vertrauet ist nach dem Befehl Gottes, unsers Heilandes, 4 dem Titus, meinem rechtschaffenen Sohn nach unser beider Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und dem HERRN Jesus Christus, unserm Heiland! 5 Derhalben ließ ich dich in Kreta, daß du solltest vollends ausrichten, was ich gelassen habe, und besetzen die Städte hin und her mit Ältesten, wie ich dir befohlen haben;

V. 6-9: Wie die Ältesten sein sollen.

Titus 1,6-9 -- 6 wo einer ist untadelig, eines Weibes Mann, der gläubige Kinder habe, nicht berüchtigt, daß sie Schwelger und ungehorsam sind. 7 Denn ein Bischof soll untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigensinnig, nicht zornig, nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben, 8 sondern gastfrei, gütig, züchtig, gerecht, heilig, keusch, 9 und haltend ob dem Wort, das gewiß ist, und lehrhaft, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher.

V. 10-16: Wie unumgänglich nötig solche Ältesten sind bei dem schwierigen Charakter der Kreter und im Blick auf die überall eindringenden jüdischen Irrlehrer.

Titus 1,10-16 -- 10 Denn es sind viel freche und unnütze Schwätzer und Verführer, sonderlich die aus den Juden 11 welchen man muß das Maul stopfen, die da ganze Häuser verkehren und lehren, was nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen. 12 Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: "Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche." 13 Dies Zeugnis ist wahr. Um der Sache willen strafe sie scharf, auf daß sie gesund seien im Glauben 14 und nicht achten auf die jüdischen Fabeln und Gebote von Menschen, welche sich von der Wahrheit abwenden. 15 Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen. 16 Sie sagen, sie erkennen Gott; aber mit den Werken verleugnen sie es, sintemal sie es sind, an welchen Gott Greuel hat, und gehorchen nicht und sind zu allem guten Werk untüchtig.

Kap. 2, V. 1-10: Der verkehrten Gesetzeslehre gegenüber soll Titus die Gläubigen in der gesunden, praktischen Lehre des Christentums unterweisen. Diese Unterweisungen beziehen sich vor allem auf den Wandel der Alten und Jungen, der Männer und Frauen, der Vorgesetzten und Dienenden.

Titus 2,1-10 -- 1 Du aber rede, wie sich's ziemt nach der heilsamen Lehre: 2 den Alten sage, daß sie nüchtern seien, ehrbar, züchtig, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld; 3 den alten Weibern desgleichen, daß sie sich halten wie den Heiligen ziemt, nicht Lästerinnen seien, nicht Weinsäuferinnen, gute Lehrerinnen; 4 daß sie die jungen Weiber lehren züchtig sein, ihre Männer lieben, Kinder lieben, 5 sittig sein, keusch, häuslich, gütig, ihren Männern untertan, auf daß nicht das Wort Gottes verlästert werde. 6 Desgleichen die jungen Männer ermahne, daß sie züchtig seien. 7 Allenthalben aber stelle dich selbst zum Vorbilde guter Werke, mit unverfälschter Lehre, mit Ehrbarkeit 8 mit heilsamem und untadeligem Wort, auf daß der Widersacher sich schäme und nichts habe, daß er von uns möge Böses sagen. 9 Den Knechten sage, daß sie ihren Herren untertänig seien, in allen Dingen zu Gefallen tun, nicht widerbellen, 10 nicht veruntreuen, sondern alle gute Treue erzeigen, auf daß sie die Lehre Gottes, unsers Heilandes, zieren in allen Stücken.

V. 11-15: Köstliche Darstellung der rettenden Gnade Gottes in Christo und ihrer heiligenden Wirkung aufs praktische Leben.

Titus 2,11-15 -- 11 Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen 12 und züchtigt uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt 13 und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi, 14 der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken. 15 Solches rede und ermahne und strafe mit gutem Ernst. Laß dich niemand verachten

Kap. 3, V. 1-7: Mahnung an die Gläubigen, in Demut, Gehorsam und Sanftmut zu wandeln und eingedenk zu sein, wovon die Gnade sie erlöst hat und daß ihre Bestimmung zum ewigen Leben eine unverdiente Barmherzigkeit sei.

Titus 3,1-7 -- 1 Erinnere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit untertan und gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit seien, 2 niemand lästern, nicht hadern, gelinde seien, alle Sanftmütigkeit beweisen gegen alle Menschen. 3 Denn wir waren weiland auch unweise, ungehorsam, verirrt, dienend den Begierden und mancherlei Wollüsten, und wandelten in Bosheit und Neid, waren verhaßt und haßten uns untereinander. 4 Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, 5 nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, 6 welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, 7 auf daß wir durch desselben Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung.

V. 8-11: Die praktische Seite der Heilslehre soll ernstlich hervorgehoben - religiöse Streiterei durchaus vermieden werden. Wer diese anfängt, soll nach kurzer Zurechtweisung, wenn sie nicht fruchtet, weggeschickt werden.

Titus 3,8-11 -- 8 Das ist gewißlich wahr; solches will ich, daß du fest lehrest, auf daß die, so an Gott gläubig geworden sind, in einem Stand guter Werke gefunden werden. Solches ist gut und nütze den Menschen. 9 Der törichten Fragen aber, der Geschlechtsregister, des Zankes und Streites über das Gesetz entschlage dich; denn sie sind unnütz und eitel. 10 Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermals ermahnt ist, 11 und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, als der sich selbst verurteilt hat.

V. 12-15: Einige persönliche Aufträge und Grüße bilden den Schluß dieses kurzen, aber kostbaren Briefes.

Titus 3,12-15 -- 12 Wenn ich zu dir senden werde Artemas oder Tychikus, so komm eilend zu mir gen Nikopolis; denn daselbst habe ich beschlossen den Winter zu bleiben. 13 Zenas, den Schriftgelehrten, und Apollos fertige ab mit Fleiß, auf daß ihnen nichts gebreche. 14 Laß aber auch die Unsern lernen, daß sie im Stand guter Werke sich finden lassen, wo man ihrer bedarf, auf daß sie nicht unfruchtbar seien. 15 Es grüßen dich alle, die mit mir sind. Grüße alle, die uns lieben im Glauben. Die Gnade sei mit euch allen! Amen.

Paulus stand vor Gott als Sein freudiger Sklave, rechtmäßig erkauft durch das Blut Christi für Gott - ein Mensch, dessen Wille in völliger Harmonie aufgeht in dem Willen Gottes. (Lies Offb. 5,9.10; Joh. 6,38; Matth. 12,49.50.)

Offenbarung 5,9.10 -- 9 und sangen ein neues Lied und sprachen: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist erwürget und hast uns Gott erkauft mit deinem Blut aus allerlei Geschlecht und Zunge und Volk und Heiden 10 und hast uns unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und wir werden Könige sein auf Erden. / Johannes 6,38 -- Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat. / Matthäus 12,49.50 -- 49 Und er reckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder! 50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter.

Dieser kostbare Ehrentitel „Sklave Gottes“ ist das Teil aller wahren Gläubigen und zeigt uns, daß weder die Sünde noch die Welt irgend ein Anrecht auf das Leben eines Kindes Gottes hat! (Lies Römer 6,17-23.)

Römer 6,17-23 -- 17 Gott sei aber gedankt, daß ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam geworden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid. 18 Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte der Gerechtigkeit geworden. 19 Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habet zum Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern, also begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. 20 Denn da ihr der Sünde Knechte wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. 21 Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn ihr Ende ist der Tod. 22 Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber ist das ewige Leben. 23 Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HERRN.

Zu den Menschen kam Paulus als der Gesandte Jesu Christi, des Herrn der Herrlichkeit. Wenn nun auch die Sendung der Apostel eine besonders hohe war, so sagt Jesus doch zu allen, die Er mit Seinem Blut erkauft hat: „Gleichwie der Vater Mich ausgesandt hat, also sende Ich auch euch!“ Solange Jesus Selbst in der Welt war, war Er das Licht der Welt. Und jetzt sagt Er zu uns: „Ihr seid das Licht der Welt!“ - Man leuchtet nicht in erster Linie durch Worte; das Licht macht kein Geräusch, sondern es verzehrt sich für andere. Die Menschen sollen unsere guten Werke sehen, dann werden sie auch unserer kostbaren Botschaft glauben und unserem himmlischen Herrn huldigen! [Matth. 5,14-16.]

Matthäus 5,14-16 -- 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind. 16 Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Der Dienst und das Zeugnis des Apostels stand in völliger Übereinstimmung mit dem allgemeinen „Glauben der Auserwählten Gottes“ - „dem einmal den Heiligen überlieferten Glauben“. Unter diesem Glauben verstehen wir die kurz gefaßte Summe der Heilstatsachen und Heilslehren, welche der kostbare Besitz der wahren Glaubenden sind - die Lehre unseres Herrn Jesu Christi und Seiner Apostel, wie sie in der Schrift niedergelegt ist!

Der Auftrag und die Verkündigung des Apostels entsprach der einfachen, klaren Erkenntnis der göttlichen Wahrheit, wie Christus sie uns gebracht hat. Er ist ja Selbst die Wahrheit und zeigt uns alles so, wie es wirklich ist im Lichte der nahen Ewigkeit: „Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden!“ - Das Gesetz konnte uns noch nicht die volle Wahrheit bringen. Nun aber leitet der Heilige Geist, vermittelst der Heiligen Schrift, die wirklich Aufrichtigen Schritt für Schritt „in die ganze Wahrheit“ und „die Furcht des Herrn ist der Erkenntnis Anfang!“ (Vgl. Hiob 28,28; Ps. 111,10; 112,1; Pred. 12,13.14.)

Hiob 28,28 -- und sprach zu den Menschen: Siehe, die Furcht des HERRN, das ist Weisheit; und meiden das Böse, das ist Verstand. / Psalm 111,10 -- Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. Das ist eine feine Klugheit, wer darnach tut, des Lob bleibt ewiglich. / Psalm 112,1 -- Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Lust hat zu seinen Geboten! / Prediger 12,13.14 -- 13 Laßt uns die Hauptsumme alle Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gehört allen Menschen zu. 14 Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse

Während Kopferkenntnis aufbläht und fruchtleer ist, steht diese Erkenntnis in innigster Übereinstimmung mit der Gottseligkeit; sie ist nur solchen Herzen zugänglich, welche ihre ganze Freude und Seligkeit in Gott finden und keine anderen Götter neben Ihm haben!

(Montag, den 13. September 1926)

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