DER TITUSBRIEF
Titus 3,1.2
1 Erinnere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit untertan und gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit seien, 2 niemand lästern, nicht hadern, gelinde seien, alle Sanftmütigkeit beweisen gegen alle Menschen.
Römer 13,1-10
1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. 2 Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen. 3 Denn die Gewaltigen sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, so wirst du Lob von ihr haben. 4 Denn sie ist Gottes Dienerin dir zu gut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. 5 Darum ist's not, untertan zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. 6 Derhalben müßt ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz handhaben. 7 So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt. 8 Seid niemand nichts schuldig, als daß ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn was da gesagt ist: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten", und so ein anderes Gebot mehr ist, das wird in diesen Worten zusammengefaßt: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 10 Denn Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Die Bevölkerung von Kreta hatte von jeher einen aufrührerischen Charakter gezeigt. Wahres Christentum dagegen verwandelt die Menschen in stille, unterwürfige Untertanen, welche ihren Platz und ihre Aufgabe nicht in den aufregenden Streitigkeiten politischer und sozialer Art haben. Welches ist in dieser Hinsicht die grundsätzliche Anschauung des Christentums? „Es ist keine Obrigkeit, außer von Gott! Und diese, welche sind, sind von Gott verordnet. Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes!“ (Vgl. Spr. 24,21; Matth. 22,21.)
Zeiten der sozialen und politischen Kämpfe und Streiks sind Zeiten stiller Bewährung für die Kinder Gottes! Sie sollen sich nicht hinüberziehen lassen auf den Boden und in die Anschauungen einer von Gott gelösten Welt. Gläubige, welche in solchen Kämpfen mit der Welt mitmachen - sei es aus Menschenfurcht, sei es um des politischen Zweckes willen - etwa „um ihre soziale Lage zu verbessern“ oder um „Macht zu zeigen“, verleugnen den Glauben und beflecken das Bekenntnis des Christentums! Die Welt weiß ganz genau, daß es einem wahren Christen nicht ansteht, sich in solche Dinge zu verwickeln! Man begehrt auf diese Weise aus der Hand des Feindes irgendwelche Vorteile, die ein Christ, wenn er innerlich recht stände, aus Gottes Hand erbitten und empfangen würde, nicht aber in der Bundesgenossenschaft der Ungläubigen! - Wo etwas wirklich Gutes in gemeinnütziger Hinsicht unternommen wird, soll der Gläubige zu tätiger Mithilfe gern bereit sein. (Lies Gal. 6,9.10; Röm. 13,3.4; 1. Petr. 3,13-17.)
Wenn die Kinder Gottes dazu willig sind, werden sie dem Vorwurf entgehen, das Christentum mache selbstsüchtig und kleinlich! „Niemanden lästern“ sollen die Christen, weder obrigkeitliche Personen, noch Personen oder Einrichtungen, die anderen ehrwürdig sind. Vor geringschätzigen Äußerungen ins Gesicht oder hinter dem Rücken - soll ein Kind Gottes sich hüten. (Vgl. 2. Mos. 22,28; Apgesch. 23,5; Eph. 4,31.)
Jede Neigung zur Streitsucht, sei es auf politischem, religiösem oder persönlichem Gebiet, soll der wahre Christ in den Tod geben. (Spr. 19,19.)
Vielmehr soll er seinem Herrn und Meister ähnlich sein, der, „gescholten, nicht widerschalt“ und keine drohende Haltung annahm, wenn man Ihm Leiden verursachte - vielmehr allen gegenüber sanftmütig und von Herzen demütig war und Sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen ließ! [Lies Jes. 42,1-3; 53,7; 1. Petr. 2,19-25.]
So sollen auch wir leidenswillig und gelinde sein, „alle Sanftmut erweisend gegen alle Menschen!“
(Dienstag, den 19. Oktober 1926)