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JAHRGANG 1934
Mai 1934

Sonnabend, den 26. Mai 1934


2. Mose 19,7-25

Eine merkwürdige, erschreckende Wendung empfinden wir wohl alle, wenn wir vom gestrigen zu unserem heutigen Text übergehen. Mose kommt von Gott zu dem Volke und bringt demselben die herrlichen Gnadenworte - den Gnadenbund, in welchen sie eintreten sollen! - Aber es zeigt sich, daß das Volk für solche Gnade noch nicht reif, weil noch nicht gedemütigt genug ist. Sie erkennen sich selbst - die eigene Unfähigkeit und Wankelmütigkeit noch zu wenig. Sie trauen es sich zu, als Mose ihnen die herrliche Botschaft von Gott bringt, ein Versprechen zu geben, das gar nicht von ihnen gefordert wird: „Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun!“ - Gott hatte in den Vordergrund gestellt, was Er für Israel „getan“ hatte! Aber auf dieses Selbstvertrauen und Selbstvermögen des Volkes hin zieht Gott plötzlich ganz andere Saiten auf. Vorher strahlte ihnen das helle, warme Licht unvermischter Gnade entgegen. Jetzt hüllt Gott Sich in erschreckendes Wolkendunkel, und das Volk darf Ihm nicht nahen, sondern wird in angemessener, furchtvoller Entfernung gehalten Seiner Heiligkeit gegenüber: „Mache eine Grenze um das Volk ringsherum (Unfreiheit - Einengung durch Furcht!) und sprich: „Hütet euch, auf den Berg zu steigen und auch nur sein Äußerstes anzurühren! Alles, was den Berg auch nur anrührt, soll gewißlich getötet werden, soll gesteinigt oder erschossen werden; ob Vieh oder Mensch, es darf nicht leben!“ - Donner und Blitze, finstere Wolken und erschreckende Posaunenstöße gingen vom Sinai aus. So furchtbar war diese Erscheinung, daß selbst Mose, der doch sonst so vertraut bei Gott war, ausrief: „Ich bin voll Furcht und Zittern!“ [Vgl. 5. Mos. 33,2; Hebr. 12,29.] - Ganz gegen Seinen vorher beabsichtigten Gnadenbund muß Gott nun das Volk unter das Gesetz stellen, weil das ganze Volk so vermessen war, Gott Versprechungen zu machen, denen es selbst beim besten Willen nicht nachkommen konnte: „Besser, daß du nicht gelobst, als daß du gelobst und nicht bezahlst!“ [4. Mos. 30,3; Hiob 22,27; Psalm 50,14.] - Das Wesen eines Gelübdes setzt die Fähigkeit voraus, dasselbe erfüllen zu können. Aber wo war diese Fähigkeit bei Israel - wo ist sie heute bei dem gefallenen Menschen? Ein zahlungsunfähiger Kaufmann könnte ebensogut einen Wechsel auf eine Bank ausstellen, wie ein kraftloser Sünder Gott ein Versprechen ablegen; er ist ja ruiniert! - Hat Israel sein Versprechen erfüllt? Hat es „alles getan, was der Herr gesagt hat“? - Das Goldene Kalb - die zerbrochenen Tafeln - der entheiligte Sabbat - die nicht gehaltenen Gebote - die Steinigung der Propheten - die Verwerfung und Kreuzigung Christi - alles das legt ein beredtes Zeugnis dagegen ab. Nichts hat Israel erfüllt - nichts konnte es erfüllen! Stephanus muß den Führern Israels zurufen: „Ihr widerstreitet allezeit dem Heiligen Geiste - wie eure Väter, so auch ihr!“ - Wie völlig blind über sich selbst und über das, was die Sünde in den Augen Gottes ist, ist doch der natürliche Mensch! - Darum sprach der Herr Jesus zu Seinem Diener Paulus, als er mit dem kostbaren Evangelium betraut wurde: „Ich sende dich, den Menschen die Augen aufzutun, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott!“ [Lies Eph. 2,1-7.] Ehe Gott durch unseren Herrn Jesus ein Neues schaffen kann im Herzen und Leben eines Menschen, muß dieser erst zu der tiefen Erkenntnis kommen: „Ich bin unfähig zu allem, was gut und recht in den Augen Gottes ist!“ Aufrichtige Sündenerkenntnis und Sündenbetrübnis allein bahnt dem Geist Gottes - dem göttlichen Leben die Wege in unserem Herzen und Wandel! Dieses ganze plötzliche Erleben - wie tief griff es in das Innere Moses ein und band ihn fester denn je an seinen Gott im geduldigen Tragen des unverständigen Volkes!

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