BIBELLESEZETTEL von Chr. von Viebahn

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JAHRGANG 1919
April 1919

Mittwoch, den 9. April 1919


Einleitung zum Buch Obadja

Der Prophet Obadja („Diener“ oder „Verehrer Jehovas“), welcher übrigens nicht zu verwechseln ist mit dem gleichnamigen, ebenfalls gottesfürchtigen Schloßhauptmann König Ahabs (1. Kön. 18,1-16), weissagt wider Edom. Dieses Brudervolk Israels, die Nachkommenschaft Esaus, hat sich zu allen Zeiten äußerst feindlich, schadenfroh und grausam gezeigt. (Vgl. 4. Mos. 20,14-21.) Deshalb kündigen auch fast alle Propheten schreckliche Strafgerichte über Edom an. (Vgl. z. B Jes. 34; Jer. 49,7-22; Klagel. 4,21.22; Hes. 25,12-14.) - Mit ziemlicher Sicherheit nimmt man an, daß Obadja zur Zeit des Königs Joram von Juda lebt (etwa 880 v. Chr.). Wir haben also in ihm wohl den ältesten der sogenannten Schriftpropheten, d; h. derjenigen Propheten, deren Aussprüche wir in der Bibel schriftlich niedergelegt finden. Irgend etwas näheres über sein persönliches Leben erfahren wir nicht. Während der Regierung des gottlosen Joram, welcher eine Tochter Ahabs zum Weibe hatte (vgl. 2. Kön. 8,16-24), machten die Philister und die Araber einen kriegerischen Einfall in Juda, raubten das Silber und das Gold aus dem Tempel (Joel 3 [Luther 4], 4-8), plünderten Jerusalem und das Haus des Königs und führten dessen Weiber und Söhne, sowie zahlreiche andere Glieder des jüdischen Volkes gefangen fort. (Lies 2. Chron. 21.) Die Edomiter, welche schon vorher von der Botmäßigkeit Judas abgefallen und wieder ein selbständiges Königreich geworden waren, hegten ja von jeher bitteren Haß gegen die Juden, zu dieser Zeit aber insbesondere wegen einer allerdings vergeblich versuchten Unterjochung durch König Joram. (2. Chron. 21,8-10.) An dem Sieg der Philister und Araber über Juda nahmen sie daher mit besonderer Schadenfreude teil und halfen ihnen, unschuldiges Blut von jüdischen Männern, Frauen und Kindern zu vergießen und jüdische Gefangene in dauernde Sklaverei zu bringen. (Vgl. Joel 3 [Luth. 4], 4-8.19; Amos 1,6.9.11; siehe auch die Betrachtungen vom 19. und 20. Sept. 1918 im Bibellesezettel.) - Ja, Edom hat zu allen Zeiten das Volk Israel aufs grausamste gehaßt und, wo es konnte, geplagt und sich stets völliger als einen der hochmütigsten und erbittertsten Feinde Jehovas erwiesen. Daher werden ihm furchtbare Strafgerichte zuteil. Durch die Assyrer und Babylonier, schließlich durch die nabatäischen Araber sind diese göttlichen Strafgerichte an Edom in ihrer ganzen Schärfe und Furchtbarkeit zur Ausführung gekommen. Doch zeigen uns die alttestamentlichen Propheten, auch Obadja, daß - wenn Israel in der vielleicht nahen Zukunft noch einmal in den Vordergrund rücken und von Gott an die Spitze der Nationen gestellt werden wird - auch dieser grausame Feind Israels, der Edomiter, noch einmal aus dem Völkermeer auftauchen und von neuem mit Macht und Grausamkeit wider Israel vorgehen wird. Doch wird sein frevelhafter Haß gegen Jehova und Sein Volk furchtbar heimgesucht: die Edomiter werden gänzlich geschlagen und vernichtet werden; nicht ein Rest wird von ihnen übrig bleiben! (Vgl. Jer. 49,7-22.) Das Reich Gottes dagegen - in Israel verkörpert - wird herrlich triumphieren und sich über die ganze Erde ausdehnen in dem wunderbaren Tausendjährigen Reiche, von dem die Bibel so viel redet! „Das Reich wird Jehova gehören!“ Das ist der kostbare Abschluß dieses kurzen, aber bedeutsamen Propheten.

Obadja 1-21 Obadjas Schrift ist die kleinste unter den Propheten. Man hat sie ein fliegendes Blatt genannt, aber dasselbe ist zur ehernen Tafel geworden, auf welcher durch Gottes Finger ewig bedeutsame Worte eingegraben sind. - Welche Verschiedenheit herrscht unter den Propheten! Ein Jeremia wirkt fünfzig Jahre, ein Haggai nur drei Monate lang. Der Blick eines Jesaia ist völkerumfassend; sein Buch umfaßt sechsundsechzig Kapitel; sein Gesichtskreis umschließt Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit; Obadja dagegen ist auf einen kleinen Punkt beschränkt und schreibt nur eine Seite! Doch hat der Heilige Geist auch durch ihn einen wichtigen Beitrag zum Ganzen der Offenbarung gegeben, und seine Weissagung wird in der Zukunft des Volkes Israel noch ihre volle und endgültige Erfüllung finden! - Ein Diener Gottes hat einen ausgedehnten Wirkungskreis, ein langes Leben des Fruchtbringens, eine mannigfaltige und umfassende Tätigkeit, ein anderer hat einen eng begrenzten Platz, eine kurze Spanne Lebenszeit, einen bescheidenen Auftrag. „Ein jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat!“ - Welche Gnade, überhaupt ein „Diener“ und „Verehrer“ des Herrn sein zu dürfen. Jeder Gläubige ist hierzu berufen, denn wir sind „bekehrt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und Seinen Sohn, aus den Himmeln zu erwarten“. - Es ist köstlich, wenn auch die, welche, wie Obadja, kleine Aufträge vom Herrn bekommen und an einen bescheidenen Platz gestellt sind, ihre Aufgabe mit der gleichen Treue und Freudigkeit, mit demselben Eifer ausführen, als wäre ihnen das Größte anvertraut! Der. Herr wird einmal nicht die Bedeutsamkeit unserer Tätigkeit belohnen, sondern die Hingebung an Ihn und die Treue, mit der wir sie ausgeübt haben!

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