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Startseite -- Bücher AT -- 2. Mose -- 139 (Die Heiligung des Volkes unten am Berg und die Erscheinung des HERRN oben auf dem Gipfel)
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DAS ZWEITE BUCH MOSE (Exodus)
C. Israel in der WILDNIS (2. Mose 15-19)

21. Die Heiligung des Volkes unten am Berg und die Erscheinung des HERRN oben auf dem Gipfel (2. Mose 19,7-25)


2. MOSE 19,7-25

7 Mose kam und forderte die Ältesten im Volk und legte ihnen alle diese Worte vor, die der HERR geboten hatte. 8 Und alles Volk antwortete zugleich und sprach: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun. Und Mose sagte die Rede des Volkes dem HERRN wieder. 9 Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich will zu dir kommen in einer dicken Wolke, auf daß dies Volk es höre, wenn ich mit dir rede, und glaube dir ewiglich. Und Mose verkündigte dem HERRN die Rede des Volks. 10 Und der HERR sprach zu Mose: Gehe hin zum Volk und heilige sie heute und morgen, daß sie ihre Kleider waschen 11 und bereit seien auf den dritten Tag; denn am dritten Tage wird der HERR herabfahren auf den Berg Sinai. 12 Und mache dem Volk ein Gehege umher und sprich zu ihnen: Hütet euch, daß ihr nicht auf den Berg steiget noch sein Ende anrührt; denn wer den Berg anrührt, soll des Todes sterben. 13 Keine Hand soll ihn anrühren, sondern er soll gesteinigt oder mit Geschoß erschossen werden; es sei ein Tier oder ein Mensch, so soll er nicht leben. Wenn es aber lange tönen wird, dann sollen sie an den Berg gehen. 14 Mose stieg vom Berge zum Volk und heiligte sie, und sie wuschen ihre Kleider 15 Und er sprach zu ihnen: Seid bereit auf den dritten Tag, und keiner nahe sich zum Weibe. 16 Als nun der dritte Tag kam und es Morgen war, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dicke Wolke auf dem Berge und ein Ton einer sehr starken Posaune; das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak 17 Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. 18 Der ganze Berg Sinai aber rauchte, darum daß der HERR herab auf den Berg fuhr mit Feuer; und sein Rauch ging auf wie ein Rauch vom Ofen, daß der ganze Berg sehr bebte. 19 Und der Posaune Ton ward immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete ihm laut. 20 Als nun der HERR herniedergekommen war auf den Berg Sinai, oben auf seine Spitze, forderte er Mose oben auf die Spitze des Berges, und Mose stieg hinauf. 21 Da sprach der HERR zu ihm: Steig hinab und bezeuge dem Volk, daß sie nicht durchbrechen zum HERRN, ihn zu sehen, und viele aus ihnen fallen. 22 Dazu die Priester, die zum HERRN nahen, sollen sich heiligen, daß sie der HERR nicht zerschmettere. 23 Mose aber sprach zum HERRN: Das Volk kann nicht auf den Berg Sinai steigen; denn du hast uns bezeugt und gesagt: Mache ein Gehege um den Berg und heilige ihn. 24 Und der HERR sprach zu ihm: Gehe hin, steige hinab! Du und Aaron mit dir sollt heraufsteigen; aber die Priester und das Volk sollen nicht durchbrechen, daß sie hinaufsteigen zu dem HERRN, daß er sie nicht zerschmettere. 25 Und Mose stieg herunter zum Volk und sagte es ihm.

Eine merkwürdige, erschreckende Wendung empfinden wir wohl alle, wenn wir vom gestrigen zu unserem heutigen Text übergehen. Mose kommt von Gott zu dem Volke und bringt demselben die herrlichen Gnadenworte - den Gnadenbund, in welchen sie eintreten sollen! - Aber es zeigt sich, daß das Volk für solche Gnade noch nicht reif, weil noch nicht gedemütigt genug ist. Sie erkennen sich selbst - die eigene Unfähigkeit und Wankelmütigkeit noch zu wenig. Sie trauen es sich zu, als Mose ihnen die herrliche Botschaft von Gott bringt, ein Versprechen zu geben, das gar nicht von ihnen gefordert wird: „Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun!“ - Gott hatte in den Vordergrund gestellt, was Er für Israel „getan“ hatte! Aber auf dieses Selbstvertrauen und Selbstvermögen des Volkes hin zieht Gott plötzlich ganz andere Saiten auf. Vorher strahlte ihnen das helle, warme Licht unvermischter Gnade entgegen. Jetzt hüllt Gott Sich in erschreckendes Wolkendunkel, und das Volk darf Ihm nicht nahen, sondern wird in angemessener, furchtvoller Entfernung gehalten Seiner Heiligkeit gegenüber: „Mache eine Grenze um das Volk ringsherum (Unfreiheit - Einengung durch Furcht!) und sprich: „Hütet euch, auf den Berg zu steigen und auch nur sein Äußerstes anzurühren! Alles, was den Berg auch nur anrührt, soll gewißlich getötet werden, soll gesteinigt oder erschossen werden; ob Vieh oder Mensch, es darf nicht leben!“ - Donner und Blitze, finstere Wolken und erschreckende Posaunenstöße gingen vom Sinai aus. So furchtbar war diese Erscheinung, daß selbst Mose, der doch sonst so vertraut bei Gott war, ausrief: „Ich bin voll Furcht und Zittern!“ [Vgl. 5. Mos. 33,2; Hebr. 12,29.]

5. Mose 33,2 -- Und er sprach: Der Herr ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgegangen von Seir; er ist hervorgebrochen von dem Berge Pharan und ist gekommen mit viel tausend Heiligen; zu seiner rechten Hand ist ein feuriges Gesetz an sie. / Hebräer 12,29 -- denn unser Gott ist ein verzehrend Feuer.

Ganz gegen Seinen vorher beabsichtigten Gnadenbund muß Gott nun das Volk unter das Gesetz stellen, weil das ganze Volk so vermessen war, Gott Versprechungen zu machen, denen es selbst beim besten Willen nicht nachkommen konnte: „Besser, daß du nicht gelobst, als daß du gelobst und nicht bezahlst!“ [4. Mos. 30,3; Hiob 22,27; Psalm 50,14.]

4. Mose 30,3 -- Wenn jemand dem HERRN ein Gelübde tut oder einen Eid schwört, daß er seine Seele verbindet, der soll sein Wort nicht aufheben, sondern alles tun, wie es zu seinem Munde ist ausgegangen. / Hiob 22,27 -- So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören, und wirst dein Gelübde bezahlen. / Psalm 50,14 -- Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde

Das Wesen eines Gelübdes setzt die Fähigkeit voraus, dasselbe erfüllen zu können. Aber wo war diese Fähigkeit bei Israel - wo ist sie heute bei dem gefallenen Menschen? Ein zahlungsunfähiger Kaufmann könnte ebensogut einen Wechsel auf eine Bank ausstellen, wie ein kraftloser Sünder Gott ein Versprechen ablegen; er ist ja ruiniert! - Hat Israel sein Versprechen erfüllt? Hat es „alles getan, was der Herr gesagt hat“? - Das Goldene Kalb - die zerbrochenen Tafeln - der entheiligte Sabbat - die nicht gehaltenen Gebote - die Steinigung der Propheten - die Verwerfung und Kreuzigung Christi - alles das legt ein beredtes Zeugnis dagegen ab. Nichts hat Israel erfüllt - nichts konnte es erfüllen! Stephanus muß den Führern Israels zurufen: „Ihr widerstreitet allezeit dem Heiligen Geiste - wie eure Väter, so auch ihr!“ - Wie völlig blind über sich selbst und über das, was die Sünde in den Augen Gottes ist, ist doch der natürliche Mensch! - Darum sprach der Herr Jesus zu Seinem Diener Paulus, als er mit dem kostbaren Evangelium betraut wurde: „Ich sende dich, den Menschen die Augen aufzutun, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott!“ [Lies Eph. 2,1-7.]

Epheser 2,1-7 -- 1 Und auch euch, da ihr tot waret durch Übertretungen und Sünden, 2 in welchen ihr weiland gewandelt habt nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, 3 unter welchen auch wir alle weiland unsern Wandel gehabt haben in den Lüsten unsers Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft und waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die andern; 4 Aber Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, 5 da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht (denn aus Gnade seid ihr selig geworden) 6 und hat uns samt ihm auferweckt und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christo Jesu, 7 auf daß er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christo Jesu.

Ehe Gott durch unseren Herrn Jesus ein Neues schaffen kann im Herzen und Leben eines Menschen, muß dieser erst zu der tiefen Erkenntnis kommen: „Ich bin unfähig zu allem, was gut und recht in den Augen Gottes ist!“ Aufrichtige Sündenerkenntnis und Sündenbetrübnis allein bahnt dem Geist Gottes - dem göttlichen Leben die Wege in unserem Herzen und Wandel! Dieses ganze plötzliche Erleben - wie tief griff es in das Innere Moses ein und band ihn fester denn je an seinen Gott im geduldigen Tragen des unverständigen Volkes!

(Samstag, 26. Mai 1934)

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